Weniger Frauen in den Führungsetagen
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Aktualisiert: vor 2 Tagen

Wo Quoten gelten, wirken sie. Wo nicht, stagniert der Frauenanteil – oder ist sogar rückläufig.
Über Jahre stieg der Anteil an Frauen in Aufsichtsgremien in der Privatwirtschaft an. Dieser Trend ist Stand Mai 2026 nun gestoppt. Die überregionale und überparteiliche Organisation “Frauen in die Aufsichtsräte” (FidAR) veröffentlicht mit dem “Women-on-Board-Index” regelmäßige Studien zur Umsetzung der Quote in Privatwirtschaft und bei öffentlichen Unternehmen. FidAR e.V.
Noch ein weiter Weg zur gleichberechtigten Teilhabe
Ende Juli veröffentlichte die Initiative die jüngsten Ergebnisse des “Women-on-Board-Index” in Berlin. Insgesamt 183 Unternehmen, 160 in Dax, MDax und SDax gelistete Firmen sowie 23 weitere börsennotierte Firmen wurden in der Studie ausgewertet. Die meisten seien laut FidAR von einer paritätischen Besetzung noch “weit entfernt”.
19,9 % betrug der Frauenanteil in den Vorständen im Jahr 2025, nun sank er auf 19,1 %. In den Aufsichtsräten stagniert der Anteil bei 37 %. Die Zahl der Unternehmen, in denen keine einzige Frau im Vorstand sitzt, ist zudem angestiegen: Es gibt 73 Chefetagen, die ausschließlich männlich besetzt sind. WoB Index 183
Feste Quoten wirken
2015 wurde das erste Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst (FüPoG) eingeführt. Es gilt eine verbindliche Frauenquote von 30 % in Aufsichtsräten großer Konzerne. Seit 2022 gilt das Mindestbeteiligungsgebot. Dabei müssen Vorstände börsennotierter Unternehmen mit mehr als 2.000 Mitarbeiter*innen mindestens mit einer Frau und einem Mann besetzt sein, sofern dieser Vorstand mehr als drei Mitglieder hat. Handelsblatt
Laut dem WoB-Index erfüllten 139 der untersuchten Unternehmen den Frauenanteil von 30 % in Kontrollgremien. 80 davon erreichten sogar mindestens 40 %, 28 Unternehmen haben ein mindestens paritätisch besetztes Gremium. Alle 61 Unternehmen, die aktuell vom Mindestbeteiligungsgebot betroffen sind, erfüllen es auch. Die Studie zeigt: Seit der Einführung der Geschlechterquote für Aufsichtsräte stieg der Frauenanteil in führenden Börsenunternehmen, die unter die gesetzliche Regelung fallen, um 17,1 Prozentpunkte auf 37 %. Aktuell unterliegen 101 Firmen der Aufsichtsratsquote. Sie weisen einen Frauenanteil von 39 % auf, deutlich höher als die 82 Unternehmen die nicht unter die Quote fallen. Hier ging der Frauenanteil in den Aufsichtsräten auf 31,2 % zurück.
Zielgröße Null steigt
Mitbestimmte oder börsennotierte Firmen müssen zudem Zielgrößen für den Anteil an Frauen in Aufsichtsräten, Vorständen und in den oberen zwei Managementebenen festlegen und veröffentlichen. Laut dem Women-on-Board-Index steigt die Zahl der Unternehmen mit frauenfreier Vorstandsetage, die die Zielgröße Null festlegen, von 23 auf 27. Diese Firmen unterliegen überwiegend nicht der Aufsichtsratsquote. Doch sieben Unternehmen fallen unter die Quote und planen auf operativer Führungsebene ohne Frauen.
Was spricht für eine feste Quote und warum ist sie umstritten?
In Ländern mit gesetzlich festgelegter Frauenquote lässt sich ein Anstieg der Frauen in Führungspositionen beobachten. Befürworter*innen der Quote begründen ihre Meinung unter anderem damit, dass sie Nachteile von Frauen auf dem Arbeitsmarkt ausgleichen. Gegner*innen meinen, dass Frauen durch Quoten nur wegen ihres Geschlechts befördert werden. Quarks
Eine Umfrage aus dem Jahr 2021 im Kontext der damaligen Vorstandsquoten-Debatte von der Unternehmensberatung McKinsey in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey ergab, dass die Mehrheit der Befragten in Deutschland (55 %) eine Frauenquote im Allgemeinen eher positiv bewertet. Als Gründe für eine kritische Haltung gegenüber der gesetzlichen Frauenquote wurde die Befürchtung genannt, dass Frauen als "Quotenfrauen" gesehen werden könnten. Einige sind der Meinung, dass der Staat sich nicht einmischen sollte und 22 % der Befragten befürchteten, dass Männer durch die Quote benachteiligt werden. McKinsey
Mehr Quoten in den Vorständen und Aufsichtsräten?
Die gesetzlichen Regelungen bei quotenpflichtigen Firmen sind wirksam, doch laut der Organisation FidAR nutzen andere untersuchte Unternehmen seltener Zielgrößen für die Steigerung des Frauenanteils in der Personalplanung. FidAR-Präsidentin Anja Seng fordert daher eine Erhöhung der Geschlechterquote im Aufsichtsrat auf 40 %. In anderen europäischen Ländern gilt die EU-Führungspositionsrichtlinie von 40 beziehungsweise 33 Prozent in den Top-Gremien und ist für mehr Unternehmen gültig.
Der WoB-Index wird vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert und Bundesfrauenministerin Karin Prien (CDU) fordert, dass Unternehmen "ihr Engagement für mehr Frauen wieder intensivieren". FidAR e.V.





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