Women Building Spaces: From Dreamhouse to Real House

Ein Abend über Mut, Eigenkapital und die Frage, wie aus einer Kindheitsfantasie ein echtes Zuhause entstehen kann.
Unter dem Motto „Women Building Spaces – From Dreamhouse to Real House“ luden FRAUEN100 und Barbie zum gemeinsamen Dinner in die Bellboy Bar. Den Ton dafür gab Moderatorin Bianca Hauda, Kulturjournalistin und selbsternannte Interior-Liebhaberin, mit einer sehr persönlichen Anekdote vor: einem Marmortisch aus Sperrholz und Klebefolie, den sie als Kind gemeinsam mit ihrem Großvater für ihr eigenes Barbie-Haus gebaut hatte. „Barbie-Sonderanfertigung quasi“, wie sie es nannte, und ein Beweis dafür, dass die meisten von uns schon als Kinder eine sehr genaue Vorstellung davon hatten, wie das eigene Traumhaus aussehen sollte, lange bevor wir wussten, was Eigenkapital oder Zinsen überhaupt bedeuten.
Dass Barbie selbst schon 1962 ihr erstes Dreamhouse bekam – ein zusammenklappbares Einraum-Apartment ganz ohne Küche –, passte für Hauda ins Bild: „Barbie war explizit keine Hausfrau, sondern eine Frau mit eigenem Geschmack und eigener Unabhängigkeit.“ Nur vier Jahre nach Inkrafttreten des westdeutschen Gleichberechtigungsgesetzes von 1958, das verheirateten Frauen unter anderem das Recht auf ein eigenes Konto verschaffte, war das kein Zufall. Der Bogen von der kindlichen Puppenhaus-Fantasie zur sehr realen Frage, wie Frauen heute Wohnraum finanzieren, gestalten und besitzen, war damit gespannt.
Mitte 20 anfangen, Baustein für Baustein
Den fachlichen Auftakt übernahm Doro Metasch, Gründerin der Immobilienplattform 26 Homes und Autorin des Ratgebers „Unlock it!“. Ihre Keynote begann mit einer Zahl: 35 Prozent der Alleinfinanzierenden einer Immobilie in Deutschland sind Frauen – nur jede dritte Immobilienkäuferin ist also eine Frau. Metasch erzählte offen, dass sie in der DDR aufgewachsen ist, ohne jede Berührung mit dem Thema Eigenheim, und dass Schulden und Investitionen in ihrer Familie als etwas Negatives galten. Ihren ersten Kauf 2015 beschrieb sie als Wendepunkt: „Ich war ängstlich, ich war unwissend“ – und trotzdem sei genau dieses erste Investment die beste finanzielle Entscheidung ihres Lebens gewesen.
Ihre Kernbotschaft an das Publikum: Schon mit Mitte 20 lohnt es sich, sich mit dem Thema Eigentum auseinanderzusetzen – als Baustein für die eigene Altersvorsorge. Wissen aufzubauen, ein Startkapital von mindestens 10.000 Euro zurückzulegen, die eigene Strategie zu klären und harte Preisverhandlungen nicht zu scheuen, gehörten für sie zu den wichtigsten ersten Schritten. Ihr Schlusswort blieb den Gästen im Gedächtnis: Es gehe darum, „dass euer Sparbuch zum Grundbuch wird“.
Drei Perspektiven: Investieren, Bauen, Gestalten
Nach der Vorspeise schloss der Panel-Talk mit Diana zur Löwen, Sarah Hartmann und Agnes Rode an, um den Weg vom „So will ich wohnen“ konkret bis zum Machen nachzuzeichnen.
Investorin Diana zur Löwen, Gründerin von Rawr Ventures, brachte die finanzielle Perspektive ein. Auf die Frage, was mehr Überraschungen bereithalte – Start-up-Investments oder die eigenen vier Wände –, verwies sie auf die Beständigkeit von Immobilien im Vergleich zu anderen Anlageklassen und den Hebeleffekt, den ein gut verhandelter Kauf mit sich bringt. Bei ihren eigenen Kaufentscheidungen achte sie vor allem darauf, wie viel Eigenkapital sie tatsächlich einbringen wolle, und rate davon ab, sich zu sehr an der eigenen Wunschvorstellung festzuhalten: „Man darf auch nicht immer zu sehr von sich ausgehen.“ Besonders eindringlich wurde sie beim Thema finanzielle Unabhängigkeit: Sie habe ihre erste Wohnung bewusst allein gekauft, obwohl viele Freundinnen zu dieser Zeit gemeinsam mit ihren Partnern kauften. Auch, weil Frauen ohne eigenen Grundbucheintrag im Fall einer Trennung oft leer ausgehen. „Es ist doch schön, wenn ich einfach meinen Traum habe und den erfülle, bevor ich überlege, wie das mit meinem Partner aussehen würde.“
Designerin Sarah Hartmann, Gründerin von Haus of Hart, gab Einblicke in ihren sehr intuitiven Gestaltungsprozess. Anstoß für ein neues Zimmer sei bei ihr selten ein durchgeplantes Konzept, sondern meist ein einzelnes Objekt, in das sie sich verliebe – wie im Fall ihres neuen, vielfach zitierten Badezimmers, dessen Ausgangspunkt eine pinke Toilette war: „Ich hab mich verliebt und war so: Okay, diese Toilette muss ich haben.“ Von dort aus dachte sie sich in einen ganzen Kosmos hinein: „In welchem Setting findet diese Toilette statt? Und dann baue ich mir diese Welt drumherum.“ Ihr Rat an alle, die Einrichtungsideen zwar sammeln, aber nie umsetzen: „Ich glaube, das Wichtigste ist, Perfektion abzulegen.“
Besonders eindrücklich wurde es, als „Deutschlands ehrlichste Bauherrin“ Agnes Rode von ihrem eigenen Hausbau erzählte – inklusive der Momente, die auf Instagram selten zu sehen sind. Sie schilderte eine Novembernacht mitten im Rohbau, in der klar wurde, dass ihr unverkleidetes Holzrahmenhaus einen bevorstehenden Wintereinbruch ohne sofortige Notmaßnahmen nicht überstehen würde – ein Fehler, der bis heute in einem Rechtsstreit nachwirkt und sie viel Geld gekostet hat. Ihr Rat an Frauen, die selbst bauen möchten, aber genau solche Rückschläge fürchten: „Man muss sich mit gewissen Rückschlägen abfinden, die einfach nicht so laufen, wie man es geplant hat. Wichtig ist, dass man Menschen an der Seite hat, die einen begleiten, die einen unterstützen, denen man vertraut.“
Von der Fantasie ins Machen
Zum Abschluss brachte Bianca Hauda den Abend auf den Punkt: Der Weg vom Dreamhouse zum Real House ist selten geradlinig, sondern geprägt von vielen kleinen und großen Entscheidungen. Allen voran der Entscheidung, aktiv zu werden. Ob bei der Finanzierung, dem Bau oder der Einrichtung: An diesem Abend in der Bellboy Bar wurde deutlich, dass Frauen dabei nicht nur Bauherrin, Eigentümerin und Designerin in einem sein können, sondern sich dafür auch gezielt Unterstützung holen dürfen – so, wie es die vier Expertinnen des Abends selbst vorgelebt haben.
Vielen herzlichen Dank an unsere Partner Barbie, 26 Homes und Bellboy Berlin, die diese Veranstaltung mit uns möglich gemacht haben.
Text von Meike Schneiders





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