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Frauen wollen ins Ehrenamt. Es ist Zeit, dass die Strukturen sich ändern.

  • vor 6 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Erstmals in Zahlen: FRAUEN100 und ADAC haben gemeinsam die erste repräsentative Studie zu Frauen im Ehrenamt vorgestellt. Der Abend in der Austernbank Berlin hat gezeigt, worum es wirklich geht.


Es war ein Abend, der etwas sichtbar gemacht hat, was längst überfällig war. Am 10. Juni lud FRAUEN100 gemeinsam mit dem ADAC in die Austernbank Berlin ein, um erstmals repräsentative Daten zu einer Frage auf den Tisch zu legen, die in der Gleichstellungsdebatte bisher kaum gestellt wurde: Wie steht es wirklich um Frauen im Ehrenamt?


Rund 27 Millionen Menschen engagieren sich in Deutschland ehrenamtlich. Sie löschen Brände, retten Menschen, führen Schulelternbeiräte und halten Sportvereine am Leben. Und doch: Wenn es um Gleichstellung geht, bleibt das Ehrenamt fast immer außen vor. Das wollten FRAUEN100 und ADAC ändern, und beauftragten gemeinsam das Meinungsforschungsinstitut Civey, erstmals repräsentativ zu erheben, wie Frauen das Ehrenamt erleben, was sie bewegt und was sie bremst. 15.000 Bundesbürger*innen wurden vom 13. bis 23. März 2026 befragt.


Ein Abend voller Impulse

Den Auftakt des Abends gestaltete Bundestagspräsidentin Julia Klöckner mit einem Impuls zur Bedeutung des Ehrenamts für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Klöckner ist FRAUEN100-Supporterin der ersten Stunde und setzte gleich zu Beginn den Ton für den Abend:


„Die Frage ist nicht, wie bringen wir Frauen dazu, sich mehr einzubringen. Frauen bringen sich verdammt viel ein. Die Frage ist, wie verändern wir Strukturen so, dass Frauen nicht immer noch mehr leisten müssen, um endlich an dieselbe Stelle zu kommen."

Die zentralen Ergebnisse der Studie präsentierte anschließend Civey-Gründerin Janina Mütze. 


Die Zahlen, die alles verändern

Das Wichtigste vorab: Das Problem ist nicht der Wille. 72,7 % der Frauen ohne Ehrenamt können sich vorstellen, eines zu übernehmen, nahezu gleichauf mit Männern (71,0 %). Fast jede zweite engagierte Frau ohne Leitungsrolle (46,2 %) kann sich eine Führungsaufgabe vorstellen. Die Bereitschaft ist da.


Was fehlt, sind die Strukturen. 39,3 % der Bevölkerung haben noch nie eine Frau in einer ehrenamtlichen Leitungsfunktion erlebt. 70 % halten Frauen in ehrenamtlichen Führungspositionen für unterrepräsentiert. Und gleichzeitig: 81 % würden Frauen eine Leitungsfunktion empfehlen. Gesellschaftliche Akzeptanz ist kein Engpass mehr.

Besonders bemerkenswert ist dabei eine der überraschendsten Erkenntnisse der Studie: Über 90 % der Frauen, die bereits Führungsverantwortung im Ehrenamt tragen, fühlen sich wohl und wollen weitermachen. Die gefühlten Hürden sind oft deutlich größer als die tatsächlich erlebten.



Strukturen verändern: Das Panel

Über die Konsequenzen dieser Zahlen diskutierten Staatsministerin Dr. Christiane Schenderlein, Fraktionsvorsitzende Britta Haßelmann und ADAC-Präsident Christian Reinicke. Die Studie benennt klare Stellschrauben: flexiblere Zeitmodelle, rechtliche Absicherung und Haftungsschutz sowie Co-Leadership, also geteilte Führung. Was davon wie umgesetzt werden kann und welche politischen Rahmenbedingungen es dafür braucht, stand im Mittelpunkt einer lebendigen, pointierten Diskussion. Moderatorin Jennifer Knäble führte durch den gesamten Abend.


„Das Bewusstsein, dass Frauen in Führungspositionen gehören, muss erst noch wachsen, bei Männern und bei Frauen. Genau daran arbeiten wir." Christian Reinicke, ADAC-Präsident


Ehrenamt aus erster Hand

Den persönlichen Abschluss des Abends gestalteten Wolke Hegenbarth und Ruth Moschner, zwei Frauen, die seit Jahren zeigen, was ehrenamtliches Engagement bedeutet. Hegenbarth berichtet von ihrer Arbeit für Mercy Ships, Moschner von einem Engagement, das bereits mit 14 Jahren begann. Beide machten etwas spürbar, das Zahlen allein nicht können: warum es sich lohnt.


„Ehrenamt lohnt sich immer wegen der Leute. Man kriegt immer viel mehr zurück, als man gibt, egal, was man macht." Wolke Hegenbarth


Was bleibt

Dieser Abend hat gezeigt, dass Gleichstellung im Ehrenamt kein Randthema ist, sondern eine der wichtigsten offenen Fragen unserer Zeit. Und dass die Antworten existieren. Was jetzt gebraucht wird, sind Strukturen, die das Vorhandene auch wirklich möglich machen.

Alle Ergebnisse der Studie und weitere Hintergründe gibt es auf



Großer Dank an den ADAC, der sich gemeinsam mit uns für die Förderung von Frauen im Ehrenamt einsetzt.



Außerdem wollen wir Louis Poulsen, Paletas Berlin und Frau Tonis für die Unterstützung des Events danken!



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