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Wir MÜSSEN DRINGEND ÜBER GELD SPRECHEN

Let’s talk about money! Denn Geld ist essenziell für die Gleichstellung von Frauen


Der Gender Pay Gap, Altersarmut, unbezahlte Care-Arbeit: Es gibt eintausend Gründe und mehr, weshalb Frauen, vor allem untereinander, offen über Geld sprechen müssen. Denn nur wenn wir transparent sind, können wir Ungerechtigkeit erkennen, dagegen vorgehen und Dinge zum Besseren verändern – für uns selbst und andere Frauen


Geld alleine macht nicht glücklich. Das mag sein, zumindest zu einem gewissen Grad. Doch Geld eröffnet Möglichkeiten, Möglichkeiten, die vielen Frauen immer noch verschlossen bleiben. Denn fehlende finanzielle Mittel und mangelndes Wissen über den richtigen Umgang mit Geld haben schwerwiegende Konsequenzen: Altersarmut in Deutschland ist weiblich. Im Schnitt liegt die Rente von Frauen 46 Prozent unter der von Männern. Gleichzeitig ist die Lebenserwartung von Frauen um fünf Jahre höher, was bedeutet, dass sie mit ihrem aufgebauten Vermögen oder eben auch Nicht-Vermögen fünf Jahre länger auskommen müssen. Jede vierte Frau in Deutschland über 80 lebt somit unterhalb der Armutsgrenze. Diese Zahlen machen sprachlos.


Nun könnte man sagen, dass sich das in Zukunft natürlich ändern wird, da die Erwerbsquote von Frauen stetig steigt und immer mehr Frauen neben der Kinderbetreuung arbeiten gehen. Doch das Gegenteil scheint einzutreten, zumindest laut einer Prognose der Bertelsmann-Stiftung. Der zufolge wird sich die Altersarmut von Frauen bis zum Jahr 2036 noch deutlich erhöhen. Und dagegen kann man nur eine einzige Sache tun: Reden. Wir müssen reden, damit wir handeln können.


Es ist schon seltsam, wir kennen die Geheimnisse unserer Freundinnen, helfen ihnen in jeder Lebenslage, stehen ihnen mit Rat und Tat zur Seite, aber kaum eine von uns weiß, was die anderen Frauen in ihrem Umfeld verdienen. Oder wie ihre Altersvorsorgen aussehen, in welche ETFs sie investieren, ob sie überhaupt investieren, wie sie sich auf Gehaltsverhandlungen vorbereiten oder wie die Finanzen in ihren Partnerschaften geregelt werden. Die wenigsten Frauen holen sich darüber hinaus professionelle Unterstützung von Finanzberater*innen oder bilden sich selbstständig weiter. Dabei werden die Angst und Unsicherheit, sich mit dem Thema Geld auseinanderzusetzen, mit dem Alter immer größer. Das Resultat ist, dass viele überhaupt nichts tun und in einer Art Schockstarre verharren. Geld ist ein echter Blindspot, dabei ist Altersarmut kein abstraktes Problem, das irgendwo in einer fernen Zukunft liegt. Finanzielle Ungleichheit betrifft Frauen in jeder Lebenslage und in jedem Alter. Denn Fakt ist: Unsere Lebensrealität unterscheidet sich sehr von der, von Männern.


Frauen übernehmen nach wie vor den Großteil der Care-Arbeit, kümmern sich um den Haushalt und die Kinderbetreuung. In Zahlen bedeutet das konkret: 75 Prozent der Frauen gehen in Elternzeit, womit die Teilzeitquote bei Frauen dreimal so hoch ist im Vergleich zu Männern. Dazu kommt die Gender Pay Gap, die in Deutschland 18 Prozent beträgt. Frauen verdienen damit beinahe 20 Prozent weniger, als ihre männlichen Kollegen bei gleicher Qualifikation. Das alles hat zur Konsequenz, dass sich in heterosexuellen Partnerschaften häufig Männer um Rücklagen, Konten und ganz allgemein finanzielle Angelegenheiten kümmern, was spätestens dann zum Problem wird, wenn sich Partner*innen trennen. Deshalb müssen Frauen über die Finanzen ihrer Partner Bescheid wissen. Doch das ist oftmals nicht der Fall und so entsteht eine ökonomische Abhängigkeit.


Doch wie soll man verhindern, in so eine Abhängigkeit zu geraten bzw. wie kann man sich daraus befreien? Wie ansprechen, wo anfangen? Einen Ehevertrag abschließen, macht man sowas? Machen andere das auch? Eine Kompensation für die Kindererziehung kann man sowas verlangen? Ja und ja! Sich diese Fragen zu stellen ist nicht unromantisch und zeugt auch nicht von mangelndem Vertrauen gegenüber dem Partner, es ist langfristig betrachtet schlicht überlebenswichtig.


Deshalb ist es so wichtig, dass Frauen untereinander über Geld sprechen, weil damit auch Erfahrungen weitergegeben und unterschiedliche Perspektiven geteilt werden. Man tauscht sich außerdem über Lebens - und Beziehungsmodelle aus, über Rollenverteilungen, über Unsicherheiten, Sorgen und Wünsche. Deshalb muss es dabei nicht mal unbedingt um konkrete Zahlen, Tipps und Handlungsanweisungen gehen, es hilft schon Vergleichswerte zu schaffen, denn die Angst irgendwann mittellos dazustehen, ist groß und wie die Zahlen zeigen nicht unbegründet. Fangen wir an transpartent mit dem Thema Geld umzugehen, holen wir uns Stück für Stück die Kontrolle über unsere Zukunft.


Eine Zukunft, in der Frauen in Gehaltsverhandlungen selbstbewusst das fordern, was ihnen zusteht und auch genau das bekommen, eine Zukunft, in der Frauen und Männer zu gleichen Teilen Unternehmen gründen, investieren und in Elternzeit gehen. Eine Zukunft, in der Frauen nicht mehr ökonomisch von ihren Partnern abhängig sind. Wir müssen deshalb normalisieren über Geld zu sprechen, mit Freundinnen, Kolleginnen und Frauen in unseren beruflichen Netzwerken. So empowern wir uns gegenseitig und sorgen gemeinsam dafür, dass diese Zukunft für uns und Generationen nach uns Realität wird.


von Sarah Thiele

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