top of page
f100_logo_darkrose.png
f100_logo_darkrose.png

Was 15.000 Befragte über Frauen im Ehrenamt verraten

  • vor 3 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit


FRAUEN100 und ADAC haben gemeinsam die erste repräsentative Studie zu Frauen im Ehrenamt vorgestellt. Die Ergebnisse überraschen, widerlegen Annahmen und zeigen klar, wo angesetzt werden muss.


Wenn über Gleichstellung gesprochen wird, geht es meist um den Gender Pay Gap, Frauenquoten in Vorständen oder Lohntransparenz. Alles wichtig. Aber unvollständig. Denn ein großer Teil dessen, was unsere Gesellschaft trägt, passiert außerhalb der bezahlten Arbeit: freiwillig, ehrenamtlich, unentgeltlich. Rund 27 Millionen Menschen engagieren sich in Deutschland ehrenamtlich. Und trotzdem wird Gleichstellung im Ehrenamt kaum je systematisch untersucht.


Das haben FRAUEN100 und ADAC geändert. Im März 2026 hat das Meinungsforschungsinstitut Civey im Auftrag beider Organisationen 15.000 Bundesbürger*innen befragt: differenziert, repräsentativ, entlang der gesamten Engagement-Journey von Frauen. Die Ergebnisse sind eindeutig und an einigen Stellen

überraschend.


1. Kein Motivationsproblem, ein Strukturproblem.

72,7 % der Frauen ohne Ehrenamt können sich vorstellen, eines zu übernehmen, nahezu gleichauf mit Männern (71,0 %). Der Wille ist da. Was fehlt, sind die Rahmenbedingungen. Der Gap entsteht nicht im Inneren von Frauen, sondern in Zeitstrukturen, Haftungsfragen und Präsenzkulturen. Chancengleichheit im Ehrenamt ist keine Frage der Einstellung, sondern eine Frage institutioneller Reform.


2. Die Führungslücke hat gesellschaftliche Konsequenzen.

Fast jede zweite engagierte Frau ohne Leitungsrolle (46,2 %) kann sich vorstellen, eine Führungsaufgabe zu übernehmen. Das Interesse ist groß. Und trotzdem sind Frauen in ehrenamtlichen Führungspositionen nach wie vor deutlich unterrepräsentiert, das bestätigen 70 % der Befragten. Das ist mehr als eine Frage der Fairness. Wer im Ehrenamt führt, baut Netzwerke auf, sammelt Erfahrung und gewinnt Sichtbarkeit, Ressourcen, die weit über den Verein hinauswirken: in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Wer dort fehlt, fehlt am Ende auch dort, wo die großen Entscheidungen fallen.


3. Die gefühlten Hürden sind größer als die erlebte Realität.

Das ist vielleicht das überraschendste Ergebnis der Studie. Viele Frauen gehen davon aus, dass Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein zentrales Hindernis für ehrenamtliches Engagement ist. Doch bei Frauen, die bereits eine Leitungsrolle innehaben, dreht sich das Bild: Bei der konkreten Frage, was gegen eine Leitungsrolle spräche, landet die Vereinbarkeit von Beruf und Familie weit hinten, mit einem Gender Gap von nahezu null. Über 90 % der Frauen in Führungsverantwortung fühlen sich wohl und wollen weitermachen. Was Frauen vor dem ersten Schritt zurückhält, sind also nicht nur die tatsächlichen Bedingungen, sondern vor allem auch fehlende Vorbilder, die zeigen, dass es geht. Denn 39,3 % der Bevölkerung haben noch nie eine Frau in einer ehrenamtlichen Leitungsfunktion erlebt. Wer solche Vorbilder nie gesehen hat, kann sich schwerer vorstellen, selbst eine solche Rolle zu übernehmen.


4. Die Strukturen entscheiden, wer führt.

Die Studie benennt klare Stellschrauben: Flexiblere Zeitmodelle, rechtliche Absicherung und Haftungsschutz sowie Co-Leadership werden als wirksamste Aktivatoren genannt, in dieser Reihenfolge. Dabei ist bemerkenswert, dass Haftungsfragen so prominent auftauchen: Frauen wollen Verantwortung übernehmen, aber die Unsicherheit über rechtliche Konsequenzen schreckt ab. Hier liegt ein konkreter politischer Handlungsauftrag: Aufklärung und Haftungsentlastung können den Unterschied machen, nicht nur für Frauen, sondern für alle, die sich engagieren wollen.


5. Jede Frau, die führt, verändert das Bild.

39,3 % der Bevölkerung haben noch nie eine Frau in einer ehrenamtlichen Führungsrolle erlebt. 81 % würden Frauen eine Leitungsfunktion empfehlen. Die gesellschaftliche Akzeptanz ist also längst da. Was fehlt, ist Sichtbarkeit. Was man nicht sieht, kann man sich schwerer vorstellen, und was man sich nicht vorstellen kann, wählt man seltener. Sichtbarkeit ist deshalb keine Nebensache, sondern strukturelle Voraussetzung dafür, dass sich das Bild ändert. Jede Frau, die eine Führungsrolle übernimmt, macht es für die nächste einfacher.


Was jetzt folgen muss.

Die Studie zeigt: Die Antworten existieren. Flexible Strukturen, rechtliche Klarheit, geteilte Führung und mehr Sichtbarkeit von Frauen in Führungsrollen sind keine utopischen Forderungen, sondern konkret umsetzbare Schritte. FRAUEN100 und ADAC werden diese Erkenntnisse im Laufe des Jahres 2026 in weiteren Formaten vertiefen.


Alle Ergebnisse und Hintergründe gibt es auf




 
 
 

Kommentare


bottom of page