We should all be proud Feminists!

Was es bedeutet, Feministin zu sein – und was es nicht bedeutet



Der Begriff Feminist*in polarisiert, auch heute noch, wie kaum ein anderer. Denn damit verbunden sind unzählige Vorurteile, wodurch viele Frauen – und Männer – oft damit hadern, sich als Feminist*innen zu bezeichnen. Weil wir aber jede*n Einzelne*n brauchen, um eine Gleichberechtigung der Geschlechter zu erzielen, müssen wir mit ebendiesen hartnäckigen Vorurteilen endgültig aufräumen. We should all be feminists – und wir sollten stolz darauf sein!


Was bedeutet Feminismus eigentlich?


Unvergessen ist wohl der Moment, als Angela Merkel 2017 bei dem Women-20 Gipfel in Berlin gefragt wurde, ob sie Feministin sei. Die damalige Bundeskanzlerin geriet – sichtlich nervös – ins Stottern und konnte sich am Ende nicht zum Feminismus bekennen. Auch wenn sie vier Jahre später im Gespräch mit der nigerianischen Schriftstellerin und feministischen Ikone Chimamanda Ngozi Adichie ihre Meinung revidierte und zugab “Ja, ich bin Feministin”, bleibt die Frage: Warum haben wir alle solche Angst vor dem F-Wort?


Denn der Feminismus als solcher, ist zunächst eine politische Bewegung, die etwas Großartiges und Wichtiges bewirken will, nämlich die Gleichstellung der Geschlechter. Das ist der Kerngedanke. Der jedoch passt bei weitem nicht jedem. Und genau hier liegt das Problem. Über die Jahrzehnte haben Gegner*innen der Gleichberechtigung sehr erfolgreich ein Bild des Feminismus kreiert oder besser gesagt ein Bild von Feministinnen kreiert, mit dem man lieber nicht so gerne in Verbindung gebracht werden will. Feministinnen gelten in der öffentlichen Wahrnehmung als unangenehm, anstrengend und aggressiv. Also Eigenschaften, die man als Frau in unserer von Männern dominierten Gesellschaft lieber nicht verkörpern will.


Denkt man an Feministinnen, denkt man deshalb zuerst an das Narrativ der “unattraktiven” Männerhasserin, die keinen Mann abbekommt und deshalb Probleme schafft, wo eigentlich gar keine sind. Man denkt nicht an die erfolgreiche Geschäftsfrau, die Mode-Design-Studentin oder Rapperin. Man denkt auch nicht an den Maler-Azubi, den alleinerziehenden Vater oder Fußball-Profi. Und das ist ein Problem, weil wir jede*n Einzelne*n brauchen, wenn wir eines Tages wirkliche Gleichberechtigung erzielen wollen. Je mehr Menschen sich also offen zum Feminismus bekennen, desto mehr Gesichter bekommt die Bewegung.


Was bedeutet es, Feminist*in zu sein? Und was bedeutet es nicht?


Und diese Gesichter können und dürfen so divers sein, wie es nur geht. Ein weiteres Problem ist nämlich die verschobene Erwartungshaltung, die nicht nur Anti-Feminist*innen, sondern auch einige Feminist*innen innerhalb der Bewegung haben. Demnach gibt es Eigenschaften, die einen zu einer “guten” oder “schlechten” Feministin machen. Die brillante amerikanische Autorin Roxan Gay adressiert diese veraltete Ideologie und schreibt ein neues, modernes Bild des Feminismus. Und in dem ist es kein Widerspruch, wenn man sich für Frauenrechte starkmacht und gleichzeitig gerne Modemagazine liest, die Farbe Pink mag und auf romantische Liebeskomödien steht. Es ist also völlig egal, wie feminin oder unfeminin man sich kleidet, ob man Gender Studies studiert oder eine Ausbildung zur Kosmetikerin gemacht hat, ob man lieber Hausfrau und Mutter oder Sex Workerin sein will. Girl! You do you! Wir können sein, wer oder was wir wollen und on top auch noch Feminist*innen.


Make-up zu tragen, ändert nichts an unserer politischen Einstellung. Man kann sich für Lippenstift begeistern und sich dennoch eine faire Bezahlung wünschen. Man kann in einem kurzen Rock ausgehen und trotzdem das Recht darauf haben wollen, sicher nach Hause laufen zu können. Das Einzige, das unterm Strich zählt, ist Solidarität. Wir müssen uns gegenseitig unterstützen und uns nicht herunterziehen und verurteilen, das macht das Patriarchat schon für uns. Wir haben alle dasselbe Ziel, egal, ob wir das in Sneakers oder Pumps erreichen wollen.


Darum ist es so wichtig, dass wir uns als Feminist*innen positionieren


Wer damit hadert, sich als Feminist*in zu bezeichnen, sollte sich deshalb immer vor Augen führen, wofür er sich einsetzt. Und das sind nicht irgendwelche Übertreibungen und ausgedachten Probleme, wie Anti-Feminist*innen gerne erklären. Es geht um soziale Gerechtigkeit, faire Bezahlung, die gleichen Chancen in der Wirtschaft, ein Mitspracherecht in der Politik und die Bekämpfung sexueller und häuslicher Gewalt gegen Mädchen und Frauen. Diese Dinge sind nicht erdacht, sie sind sehr real und mit Zahlen belegbar. Und ja, es kann sein, dass man mit seinem Outing als Feminist*in für Unbehagen in seinem Umfeld sorgt. Das heißt jedoch nicht, dass man etwas falsch macht. Es bedeutet genau das Gegenteil: Wir können Dinge nur ändern, wenn wir unsere Meinung vertreten und dafür müssen wir eben auch mal laut, aggressiv und unangenehm sein. Bis wir also in einer Gesellschaft leben, in der alle Menschen die gleichen Rechte haben, müssen wir alle Feminist*innen sein. Und wir sollten stolz darauf sein.


von Sarah Thiele