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Was Frauen sich wünschen, damit mehr von ihnen im Ehrenamt führen.

  • vor 1 Tag
  • 3 Min. Lesezeit


Unsere Studie mit dem ADAC hat gezeigt: Frauen wollen Verantwortung übernehmen. Jetzt geht es um die zweite Frage, die mindestens genauso wichtig ist. Was braucht es, damit aus diesem Willen tatsächlich Führung wird?


Wer mit Frauen über Ehrenamt spricht, hört selten, dass ihnen die Motivation fehlt. Was häufiger fehlt, sind die Rahmenbedingungen, die einen Einstieg in Führung überhaupt ermöglichen. Genau das hat die gemeinsame Studie von FRAUEN100 und ADAC sichtbar gemacht: 72,7 % der Frauen ohne Ehrenamt können sich vorstellen, eines zu übernehmen.

Fast jede zweite engagierte Frau ohne Leitungsrolle würde Führungsverantwortung übernehmen. Der Wille ist groß. Trotzdem bleiben Führungspositionen im Ehrenamt mehrheitlich männlich besetzt, das bestätigen 70 % der Bevölkerung.


Diese Lücke zwischen Bereitschaft und Realität ist kein Zufall. Die Studie hat die Befragten direkt gefragt, was ihrer Einschätzung nach den Unterschied machen würde.


Was Befragte sich am häufigsten wünschen

Befragt, welche Maßnahmen den Einstieg in Führungsrollen erleichtern würden, nennen die Teilnehmenden der Studie am häufigsten drei Punkte: flexible Zeitmodelle, rechtliche Absicherung und Haftungsschutz sowie Co-Leadership, also geteilte Führungsverantwortung.


Flexible Zeitmodelle werden besonders häufig genannt. Eine naheliegende Erklärung: Starre Präsenzkulturen im Ehrenamt wirken oft genauso wie im Berufsleben. Wer nicht ständig physisch verfügbar ist, gilt schnell als weniger engagiert, obwohl Verfügbarkeit nichts über Eignung oder Engagement aussagt. Ehrenamtliche Strukturen, die Sitzungszeiten, Erreichbarkeit und Verantwortlichkeiten flexibler gestalten, könnten Führung für alle zugänglicher machen, die sich nicht in starre Zeitfenster pressen lassen können oder wollen.


Rechtliche Absicherung und Haftungsschutz werden ebenfalls häufig als wichtig genannt, und das überrascht in der öffentlichen Debatte oft. Wer ein Vorstandsamt übernimmt, übernimmt rechtliche Verantwortung. Wenn unklar ist, welche Haftungsrisiken damit verbunden sind, kann das abschrecken, unabhängig vom grundsätzlichen Willen, sich zu engagieren. Mehr Transparenz und gezielte Haftungsentlastung könnten genau die Menschen erreichen, die fachlich und persönlich bereit wären, eine Rolle zu übernehmen, aber das Risiko scheuen.


Co-Leadership, also geteilte Führung, wird als dritter wichtiger Punkt genannt. Klassische Vorstandsmodelle sehen häufig eine Person an der Spitze vor, die alle Verantwortung allein trägt. Co-Leadership verteilt diese Verantwortung auf mehrere Schultern und könnte Führungsrollen dadurch greifbarer und besser vereinbar machen, etwa mit Familie, Beruf oder gesundheitlichen Einschränkungen.


Warum diese Wünsche mehr sind als Stichpunkte

Was diese Einschätzungen besonders deutlich machen: Die genannten Maßnahmen sind keine Zugeständnisse an Frauen. Es sind strukturelle Verbesserungen, die jedem Menschen zugutekommen könnten, der sich ehrenamtlich engagieren möchte, ohne sein gesamtes Leben danach auszurichten. Co-Leadership würde Führung auch für Männer mit Care-Verantwortung erleichtern. Flexible Zeitmodelle könnten allen helfen, die berufsbedingt nicht jede Woche zur gleichen Uhrzeit verfügbar sind. Haftungsklarheit würde jedem nützen, der Verantwortung übernehmen will, ohne sich rechtlich exponiert zu fühlen.


Ein weiterer Befund der Studie unterstreicht, wie wichtig strukturelle Veränderungen sind: Über 90 % der Frauen, die bereits eine ehrenamtliche Leitungsfunktion ausüben, fühlen sich in ihrer Rolle wohl und möchten ihr Engagement fortsetzen. Die gefühlten Hürden vor dem ersten Schritt sind also häufig größer als die tatsächlich erlebte Realität. Wer einmal den Einstieg gefunden hat, bleibt in der Regel gerne. Das deutet darauf hin: Die entscheidende Stellschraube liegt möglicherweise nicht darin, Frauen von Führung zu überzeugen, sondern darin, den Einstieg strukturell so zu gestalten, dass er überhaupt machbar erscheint.


Was das für Vereine und Organisationen bedeuten könnte

Die gute Nachricht an dieser Stelle ist, dass weder flexible Zeitmodelle noch Co-Leadership eine große gesetzliche Reform voraussetzen, um eingeführt zu werden. Vereine und Organisationen können diese Strukturen selbst gestalten, unabhängig von politischen Prozessen. Sitzungszeiten lassen sich anpassen, Vorstandsämter lassen sich teilen, Verantwortlichkeiten lassen sich klarer dokumentieren. Was es braucht, ist die Bereitschaft, bestehende Strukturen zu hinterfragen, die oft historisch gewachsen sind und nicht mehr zur Lebensrealität der Menschen passen, die heute Verantwortung übernehmen wollen.

Bei der Haftungsfrage braucht es zusätzlich politische Unterstützung, etwa durch klarere gesetzliche Regelungen und bessere Aufklärung über bestehende Haftungsbeschränkungen für Ehrenamtliche. Hier sind Politik und Verbände gemeinsam gefragt, Rechtssicherheit zu schaffen, die heute oft fehlt oder zumindest nicht ausreichend kommuniziert wird.



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