Fünf Jahre FRAUEN100
- vor 2 Tagen
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Noch nie waren Frauen weltweit so sichtbar wie heute: in Diskursen, im Fortschritt und in Machtpositionen. Und doch werden Rechte, die längst selbstverständlich schienen, wieder infrage gestellt. Weltweit haben Frauen heute die beste Ausbildung aller Zeiten und sind in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Öffentlichkeit stark präsent. Und dennoch hat bis heute kein Land die Gleichberechtigung erreicht. Fortschritt und Rückschritt existieren derzeit gleichzeitig. Es ist eine widersprüchliche Zeit für Frauen.
Genau dieses Spannungsfeld war es, in dem Michelle Obama bei der Eröffnung des Obama Presidential Centers über Hoffnung sprach. Nicht als Trost für schwierige Zeiten, sondern als politische Haltung. „Hoffnung ist alles, was wir haben, denn Hoffnung ist der entscheidende Funke, der das Feuer der Veränderung entfacht.“ Hoffnung ist laut Obama vor allem eines: eine Entscheidung. Die Entscheidung, die eigene Stimme zu erheben. Die Entscheidung, sich einzumischen. Die Entscheidung, nicht darauf zu warten, dass jemand anderes den ersten Schritt macht.
Aus einer solchen Entscheidung entstand vor fünf Jahren die Initiative FRAUEN100. Vor fünf Jahren machten öffentliche Debatten über Machtmissbrauch auch in Deutschland sichtbar, was viele Frauen längst wussten: Für #MeToo muss man nicht Richtung USA schauen. Auch in Deutschland muss ein Umgang mit den Fragen gefunden werden, die die Fälle der letzten Jahre aufwerfen. Nicht die Erfahrungen waren neu. Neu war der Raum, in dem sie erzählt werden konnten. Was lange als Einzelfall behandelt wurde, erwies sich als Teil eines größeren Musters. Aus vielen einzelnen Stimmen wurde ein gesellschaftliches Gespräch und eine gemeinsame Erfahrung. Was jahrzehntelang hinter verschlossenen Türen blieb, verlangte nach Austausch und Aufdeckung. Und den Männernetzwerken, die im Hintergrund wirken und vertuschen, musste endlich Einhalt geboten werden.
FRAUEN100 entstand aus einer einfachen Überzeugung heraus einen Ort zu schaffen, an dem aus Begegnungen Bündnisse entstehen und Verantwortung gemeinsam übernommen wird – eine Bewegung für Frauen. Für Gleichberechtigung.
Heute sind mehr als 1.000 Persönlichkeiten Teil dieses Netzwerks: kuratiert, branchenübergreifend, aus Politik, Wirtschaft, Medien, Kultur und Zivilgesellschaft. Bundesministerinnen sind hier ebenso vertreten wie Gründerinnen, Journalistinnen ebenso wie Aktivistinnen. Es geht nicht um Prominenz um ihrer selbst willen, sondern um Stimme und Reichweite im Sinne einer gemeinsamen Sache. Zusammen Wirkmacht im Kollektiv zu entfalten und strukturelle Veränderung anzustoßen.
Und bewusst nicht nur Frauen. Denn Gleichberechtigung ist kein Frauenthema, sondern ein gesamtgesellschaftliches. Wandel beginnt selten mit einer einzelnen Stimme. Er beginnt dort, wo Stimmen einander finden und gemeinsam so laut werden, dass sie unüberhörbar werden. FRAUEN100 versteht Vernetzung deshalb nicht als Selbstzweck. Sondern als Infrastruktur für Veränderung. Jede Begegnung kann etwas in Bewegung setzen. Eine Idee. Eine Kooperation. Eine Kampagne. Eine Petition. Ein Gesetz. Manchmal ist es auch einfach die Erkenntnis, nicht allein zu sein. Denn Gleichberechtigung ist keine Frage der Meinung. Es geht um Verteilung. Von Macht. Von Ressourcen. Von Teilhabe.

Bei FRAUEN100 geht es nicht darum, Frauen einfach nur an den Tisch zu bringen. Wir wollten dazu beitragen, dass sich der Tisch verändert. Fünf Jahre nach der Gründung lässt sich dieser Weg nicht nur in Zahlen beschreiben. Er zeigt sich in Ministerinnen, Gründerinnen, Journalistinnen, Unternehmerinnen, Künstlerinnen, Wissenschaftlerinnen und Aktivistinnen, die ihre unterschiedlichen Perspektiven und Möglichkeiten verbinden. Er zeigt sich in der C190-Petition, die mit über 100.000 Unterschriften zur Ratifizierung der ILO-Konvention gegen Gewalt und Belästigung in der Arbeitswelt beitrug. Er zeigt sich im Gewaltschutzgesetz, das im Januar 2025 verabschiedet wurde und gewaltbetroffenen Frauen erstmals einen bundesweiten Rechtsanspruch auf Schutz bietet. Er zeigt sich in den über 180.000 Euro, die über die Support-Boxen direkt an Frauen in Not gegangen sind. Und er zeigt sich in MÄNNER100, wo sich 150 einflussreiche Männer öffentlich positioniert haben, als Signal, dass Gleichberechtigung uns alle betrifft.
Zu diesen fünf Jahren gehört vielleicht aber noch eine andere Erkenntnis: Gesellschaftlicher Wandel ist selten eindeutig. Wer sich den schwierigen Themen seiner Zeit stellt, bewegt sich nicht auf einem geraden Weg. Es gibt Spannungen, Widersprüche und Entscheidungen, die man im Rückblick anders treffen würde. Und es gibt Momente, in denen es keine einfachen Antworten gibt. Ein Netzwerk wie FRAUEN100 kann nicht immer direkt fertige Antworten liefern. Aber es kann den Raum schaffen, in dem unterschiedliche Erfahrungen und Überzeugungen aufeinandertreffen, in dem diskutiert, gerungen und weitergedacht wird. Nicht mit dem Anspruch, immer richtig zu liegen. Sondern mit der Bereitschaft, zuzuhören, dazuzulernen und Verantwortung zu übernehmen.
Michelle Obama beschreibt Fortschritt als einen stetigen und oft unspektakulären Aufstieg. Und sie sagte, Hoffnung sei eine Entscheidung. Vor fünf Jahren haben einige Frauen genau diese Entscheidung getroffen. Nicht, weil sie wussten, wie der Weg verlaufen würde. Sondern weil sie wussten, dass Nichtstun keine Option war.
Fünf Jahre FRAUEN100 bedeuten deshalb nicht, dass wir fertig sind, sondern dass wir uns immer wieder neu für das, was vor uns liegt, entscheiden und gemeinsam dafür kämpfen. Gerade in schwierigen Zeiten, in denen öffentliche Aufmerksamkeit, politische Entwicklungen und Förderungen rückläufig sind. Dann erst recht!





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