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Medien, Missbrauch und #Metoo

Vor gut drei Jahren kam die #MeToo Bewegung auch in Deutschland ins Rollen und sowohl intern als auch in der Öffentlichkeit wurden Fälle des Machtmissbrauchs und der Belästigung am Arbeitsplatz aufgearbeitet. Diese Entwicklungen waren auch der finale Anstoß für FRAUEN100, um ein Netzwerk zu schaffen, das sich gegen die übermächtigen "Boys-Clubs" wendet, die Skandale bisher immer eindämmen konnten.


So entstand die erste FRAUEN100-Veranstaltung, bei der wir gemeinsam mit der deutschen Schauspielerin Ursula Karven die Petition "The Louder Voices" ins Leben riefen. Ziel der Petition war es, Gewalt und Missbrauch am Arbeitsplatz zu verhindern. Konkrete Forderung war die Ratifizierung des ILO-Übereinkommens C190 in Deutschland, das sicherstellen soll, dass die Staaten das Recht jedes Menschen auf ein Arbeitsumfeld, das frei von Gewalt und Belästigung ist, respektieren, fördern und erfüllen. Innerhalb von 10 Tagen hatte das Netzwerk mehr als 50.000 Unterschriften zur Unterstützung der Petition gesammelt. Nach nur sechs Monaten schaffte es die Petition schließlich mit mehr als 100 000 Unterschriften in den Koalitionsvertrag der deutschen Regierung und wurde anschließend ratifiziert.


Dieser FRAUEN100-Auftakt konnte große Wellen schlagen und hatte langfristig positive Auswirkungen auf das Leben vieler Frauen. Trotzdem ist im Allgemeinen Gleichberechtigung noch immer nicht in die Medienlandschaft eingezogen. Gerade in dieser Branche, die sich gerne als progressiv gegenüber gesellschaftlichen Missständen sieht und zeigt, ist der Gender Pay Gap überdurchschnittlich hoch. Das liegt auch daran, dass viele freiberuflich, selbstständig oder projektbezogen arbeiten, also ihr Honorar selbst aushandeln können und müssen. So lag 2020 das Bruttojahreseinkommen aller Film- und Fernsehschaffenden bei Männern bei rund 57.000 Euro, bei Frauen bei 41.600 Euro.



Die Einschränkungen für Frauen beziehen sich jedoch leider nicht nur auf die Gehälter der Industrie. Die Herausforderungen auf dem Weg zur Gleichberechtigung unterscheiden sich je nach Sparte der Medienbranche. Ein Aspekt, der aber direkt und indirekt alle betrifft, ist die Einschränkung der Pressefreiheit und das Verbreiten von Fehlinformationen zu Lasten von Frauen. Bei unserem FRAUEN100 Dinner im Rahmend er Münchner Sicherheitskonferenz im Februar betonte die philippinische Journalistin und Nobelpreisträgerin Maria Ressa, dass die Gewalt gegenüber Journalisten online immer weiter zunimmt und immer häufiger auch den digitalen Raum verlässt. Diese Entwicklung ist insoweit als sehr kritisch zu betrachten, dass laut ihr die Verbreitung von geschlechtsspezifischer Desinformation sowie die Unterdrückung und Gewalt gegen Frauen die ersten und sehr wirkungsvollen Schritte autokratischer Regime sind. Geschlechterspezifische Desinformation kann sich dabei zum Beispiel so äußern, das in medialer Berichterstattung noch kaum ein geschlechterdifferenzierter Kommunikationsstil zu erkennen ist und Frauen sprachlich wenig sichtbar sind. In Artikeln zu Gewalt gegen Frauen führen Begriffe der Verharmlosung dazu, dass partnerschaftliche Gewalt ins Private gerückt wird und dass diese als Einzeltat banalisiert werden.


Maria Ressa beim diesjährigen FRAUEN100xMSC Dinner

Ein viel diskutierter Weg, um Frauen auch in medialer Berichterstattung sichtbarer zu machen, ist das Verwenden gendergerechter Sprache. Diese kann es ermöglichen, Texte frei on Sexismus zu machen und über Frauen genauso respektvoll zu schreiben wie über Männer. Doch das Gendern wird auch sehr kritisch betrachtet und der optimale Weg dem Fakt, das Sprache und gesellschaftliche Wirklichkeit eng verwoben sind, gerecht zu werden, ist noch nicht gefunden.


Wo es jedoch gutes Handwerkszeug gibt, um Stereotype zu hinterfragen und Sexismus zu überwinden, ist in der Film- und Fernsehbranche. Auch hier ist es Realität, dass Frauen in vielen Filmen unterrepräsentiert sind, und selbst wenn sie eine Rolle spielen, werden sie oft auf ein Minimum reduziert sowie aus der Perspektive des „Male Gaze“ dargestellt. Jedoch wurde hier mit dem Bechdel-Wallace-Test ein Mittel erfunden, wie man Filme, Serien und Shows genauer unter die Lupe nehmen kann und auf Progressivität und Bestreben nach Geschlechtergerechtigkeit prüfen kann.



Warum es so wichtig ist, auch bei Filmen auf Gleichberechtigung und Darstellung von Frauen frei von Stereotypen zu achten? Die Medien zeigen, welches Bild von Frauen und Männern gesellschaftlich akzeptiert und welches abgelehnt wird. Sie stellen Frauen und Männer so dar, wie sie nach den herrschenden gesellschaftlichen Normen aussehen und sich verhalten sollen. Während Klischees und Stereotype in den Medien zunächst nur dazu dienen, Komplexität zu vereinfachen, sind sie zu kritisieren, wenn sie zu Vorurteilen und Diskriminierung von Menschen beitragen. Eine Darstellung von Frauen frei von Stereotypen und Sexualisierung kann dann langfristig helfen, gesellschaftliche Normen und Bilder neu zu formen und weiterzuentwickeln.


Die 2021 durch den Axel-Springer-Fall ausgelöste Welle der #MeToo-Bewegung in Deutschland ist mittlerweile verebbt und konnte nie richtig an Fahrt gewinnen. Doch noch hat sich zu wenig getan, weswegen sich nun wieder etwas regt. Sowohl hier in Deutschland als auch im Ausland. Auch in Frankreich werden gerade im Rahmen der Filmfestspiele in Cannes neue Vorwürfe laut und Fehlverhalten in der Medienindustrie angeprangert. Ebenso in den USA ist, nachdem das Urteil gegenüber Harvey Weinstein aufgehoben wurde, erneut die Diskussion entflammt, denn noch lange nicht ist Gleichberechtigung und ein sicheres und gutes Arbeitsumfeld für alle erreicht.


Quellen:

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