Ehrenamt. Für dich. Für uns. Für alle.
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Warum das Ehrenamt das Rückgrat unserer Demokratie ist und was das mit Gleichstellung zu tun hat.
Heute, am 23. Mai 2026, feiert das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland seinen 77. Geburtstag. Und zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik wird dieser Tag als bundesweiter Ehrentag begangen, ausgerufen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der damit ein klares Signal sendet: Demokratie ist kein Selbstläufer. Sie braucht Menschen, die mitmachen.
„Gerade jetzt suchen viele Menschen nach Halt und Orientierung. Und genau darum soll es gehen am Ehrentag: Engagement als Mittel gegen das Gefühl der Machtlosigkeit. Weil man spüren kann: Es kommt auch auf mich an. Ich kann etwas bewirken."
27 Millionen Menschen. Und doch unsichtbar
Rund 26,97 Millionen Menschen engagieren sich in Deutschland freiwillig, das entspricht 36,7 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren. Sie löschen Brände, begleiten Kinder beim Lesen, sitzen in Gemeinderäten, organisieren Kulturveranstaltungen, leiten Jugendgruppen, verteilen Essen an Bedürftige. Das Ehrenamt ist in Deutschland keine Randerscheinung, es ist strukturelle Infrastruktur. Bundespräsident
Der volkswirtschaftliche Wert des Ehrenamts wird auf rund 144 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt, das entspricht etwa 3,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Eine Zahl, die verdeutlicht: Ohne die Millionen Menschen, die freiwillig und unentgeltlich Verantwortung übernehmen, würde ein wesentlicher Teil dessen, was unsere Gesellschaft trägt, wegbrechen. Bundespräsident
Und dennoch ist das Ehrenamt in der öffentlichen Debatte erstaunlich unsichtbar. Die Gleichstellungsdiskussion dreht sich um den Gender Pay Gap, um Vorstandsquoten, um Lohntransparenz – alles wichtig! Aber sie übersieht dabei einen Ort, der mindestens genauso entscheidend ist: das Ehrenamt selbst.
Mehr als Hilfe: Ehrenamt als Machtfrage
Ehrenamt ist nicht nur soziales Engagement. Es ist ein Ort, an dem Entscheidungen fallen, Netzwerke entstehen und Themen gesetzt werden. Der Vierte Engagementbericht der Bundesregierung (2024) stellt fest: Freiwilliges Engagement ist eine wichtige Form gesellschaftlicher Teilhabe und erhebliche Unterschiede beim Zugang führen dazu, dass nicht alle Gruppen ihre Interessen gleichermaßen einbringen können. Bundespräsident
Wer im Vereinsvorstand sitzt, wer die Freiwillige Feuerwehr leitet, wer als Schöffin im Gericht urteilt oder als Ortsvereinsvorsitzende politische Prozesse begleitet — dieser Mensch gestaltet mit. Er oder sie baut Netzwerke auf, sammelt Führungserfahrung und erwirbt Sichtbarkeit, die weit über das Ehrenamt hinauswirkt. Leitungserfahrung im Ehrenamt qualifiziert faktisch für Führungsrollen in Wirtschaft und Politik.
Gleichstellung im Ehrenamt ist deshalb keine Nebenfrage. Sie ist Voraussetzung dafür, dass Gleichstellung wirklich in der Gesellschaft ankommt, nicht nur im Privaten und Beruflichen, sondern überall dort, wo Gemeinschaft gestaltet wird.
Der Ehrentag: Ein Moment und ein Auftrag
Der Ehrentag möchte ein Gemeinschaftswerk sein: Ziel ist es, die Menschen im Ehrenamt zu feiern, zu vernetzen und sichtbar zu machen. Zusammen soll das Miteinander erlebbar werden. Der Aktionszeitraum erstreckt sich vom 16. bis 31. Mai, mit dem Schwerpunkt am 23. Mai, dem Geburtstag des Grundgesetzes. Zeit-Stiftung
Hinter der Initiative steht eine klare Überzeugung: Demokratie entsteht nicht in Parlamenten allein. Sie entsteht dort, wo Menschen füreinander eintreten. Im Kleinen wie im Großen. Mehr als zwei Drittel der freiwillig Engagierten geben an, ihre Tätigkeit unverändert fortsetzen zu wollen — ein starkes Signal für die Stabilität und Tiefe dieses Engagements. Bundespräsident
Was jetzt kommt
FRAUEN100 und der ADAC haben sich gemeinsam gefragt: Wie steht es um die Gleichberechtigung im Ehrenamt und wie kann es zukunftsfähig werden? Dafür haben wir eine bundesweite Studie in Auftrag gegeben: 15.000 Menschen wurden befragt, repräsentativ für Deutschland. Am 10. Juni stellen wir die Ergebnisse vor.





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