Die Ersten – Diese Pionierinnen machen Mut, es zu wagen
- 2. Apr.
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Die Erste zu sein ist nie leicht. Aber es ist wichtig, so unfassbar wichtig. Denn wenn wir Mädchen ermutigen wollen, groß zu träumen – um endlich die „Dream Gap“ zu schließen – sind Vorbilder entscheidend. Pionierinnen, die mutig vorangehen und als Frau Karriere auf einer Position machen, die bislang ausschließlich von Männern besetzt war.
Wir stellen fünf Frauen vor, die diesen Weg gegangen sind – und die damit allen weiblichen Nachfolgerinnen zeigen: Es ist möglich, es ist erreichbar. Und es fühlt sich gut an, das zu schaffen.
Kamala Harris:
Sie war die erste US-amerikanische Vizepräsidentin, und sie hatte später die Chance, die erste weibliche Präsidentin der Vereinigten Staaten zu werden: Kamala Harris wird damit in die Geschichte eingehen. In ihrer Rolle als frisch gewählte Vizepräsidentin sagte sie 2020 einen Satz, der legendär wurde – und Generationen an Mädchen und Frauen nach ihr inspirieren wird:
„While I may be the first woman in this office, I will not be the last.”
Sie war also die erste Frau in dieser Rolle, aber sicher nicht die letzte. Sie hat die Tür geöffnet, die jetzt für andere weibliche Kandidatinnen offen steht. Bei Kamala Harris ging es dabei nicht nur um das Geschlecht, sondern auch um Hautfarbe und Herkunft: Sie war die erste Schwarze Person in diesem Amt und die erste Person südasiatischer Herkunft, die die Vizepräsidentschaft der USA übernahm. Kamala Harris ist deshalb gleich in mehrfacher Hinsicht ein absolutes Role Model.
Aktuell ist sie mit ihrem Buch „107 Days“ auf internationaler Tour – und spricht auf diesen Events über Politik, über Demokratie und über ihre eigenen Erfahrungen als Frau in Machtpositionen.
Text von Julia Felicitas Allmann
Angela Merkel:
16 Jahre lang war sie deutsche Bundeskanzlerin – und auch wenn Angela Merkel nur selten über Feminismus sprach und über die Besonderheiten, die sie als Frau in diesem Amt erlebte: Sie hat es zur Normalität gemacht, dass das Land von einer weiblichen Kanzlerin regiert wird. Gleichberechtigung war für sie eine Selbstverständlichkeit, die sie kaum thematisierte.
In einem Interview mit der „Zeit“ sagte Merkel einmal: „Aber natürlich musste ich als Frau wie jede andere meinen Weg finden, damit wir eines Tages wirklich zu einer Parität der Geschlechter finden. Nicht erst als Bundeskanzlerin, schon als Physikerin habe ich mit vielen Männern zusammengearbeitet. Parität in allen Bereichen erscheint mir einfach logisch.“
Dass Merkel durch ihre langjährige Arbeit als Bundeskanzlerin den Weg für andere Frauen in der Politik ebnete, geschah vielleicht eher nebenbei – aber es ist passiert. Das brachte Annalena Baerbock in einem Interview auf den Punkt: „Den Kampf, dass eine Frau das kann, hat sie für mich gekämpft“, sagte Baerbock im Podcast „Hotel Matze“ über ihre eigene Kandidatur als Bundeskanzlerin. Bei ihr sei hinterfragt worden, ob sie es als junge Frau ohne Regierungserfahrung mit zwei Kindern könne. Die Frage, ob sie als Frau dieser Rolle gewachsen sei, wurde nie gestellt. Und das hat sie – und das haben wir alle – Angela Merkel zu verdanken.
Rabea Rogge:
Die deutsche und weltweite Raumfahrt ist männlich geprägt: Zwischen 1978 und 2025 waren zwölf deutsche Astronauten im All – allesamt Männer. Rabea Rogge brach diese Struktur auf, sie war 2025 die erste deutsche Astronautin, die ins Weltall reiste. Sie schrieb damit Geschichte und inspiriert nun Generationen an künftigen Astronautinnen nach ihr.
Abseits von ihrer Astronautinnen-Karriere forscht Rabea Rogge an der Technischen Universität Norwegen in Trondheim im Themenfeld Robotik. Auch hier setzt sie sich in einer traditionell männlichen Branche durch: „Mir ist im technischen Umfeld aufgefallen, dass man als Frau immer öfter angezweifelt wird – auch wenn man Expertin auf dem Feld ist“, sagt sie. Das will sie sichtbar machen und aufbrechen. Ambitionierten Mädchen rät sie: „Ganz viele Fragen stellen, jederzeit zu jedem Thema! Und nicht entmutigt sein, wenn entweder die Träume oder die Fragen schlecht ankommen.“
Verena Pausder:
Sie ist mehrfache Gründerin von Tech-Startups, setzt sich stark für digitale Bildung ein, inspiriert durch ihren Podcast „Fast and Curious“ gemeinsam mit Lea-Sophie Cramer jede Woche eine riesige Community von ambitionierten Frauen – und sie ist die erste Frau an der Spitze des deutschen Start-up-Verbands. Verena Pausder ist damit ein echtes Role Model. Und sie lässt sich nicht davon beirren, Plätze zu besetzen, die vorher von Männern beansprucht wurden.
Die erste Frau in einer Rolle zu sein, hat aus ihrer Sicht dabei auch positive Seiten. So sagte sie in einer Podcast-Folge über die Erfahrung, erste Frau an der Spitze des Startup-Verbands: „Es hatte auch Vorteile, die erste Frau zu sein, wie das Spotlight so auf mir lag. Dadurch hatte ich sofort eine enorme Aufmerksamkeit für die Themen, die mir wichtig sind.“ Eine inspirierende Perspektive, um aus der vermeintlichen Herausforderung eine echte Chance zu machen!
Tina Hassel:
Sie ist eins der bekanntesten Gesichter der öffentlich-rechtlichen Berichterstattung in Deutschland – und dabei geht sie als Frau immer wieder als Pionierin voran. Journalistin Tina Hassel wurde 2015 zur ersten Frau an der Spitze des ARD-Hauptstadtstudios, nachdem dieses 50 Jahre lang nur von Männern geleitet worden war. Von Männern, die großen Respekt und deutschlandweites Ansehen genossen.
„Von Fußstapfen habe ich mich nie beeindrucken lassen. Ich werde mit frischem Wind und frischem Selbstbewusstsein da reinkommen“, sagte sie vor ihrem Start im „Spiegel“-Interview. Sie wolle ihren eigenen Weg gehen, auch mit Blick auf die Führung: „Es stimmt, dass Frauen in Teilen anders führen. Wir überzeugen eher, als dass wir anordnen. Außerdem fördern wir andere Frauen mehr, das habe ich auch immer so gemacht. Ich möchte außerdem die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern, das soll nicht bloß eine Floskel bleiben. Ich komme ja selbst mit drei Kindern nach Berlin.“
2024 wechselte sie von Berlin aus wieder auf die internationale Nachrichten-Bühne: Sie leitet seitdem das ARD-Hauptstadtstudio in Brüssel – auch hier übernahm sie die Rolle von einem männlichen Vorgänger.
Diese Frauen zeigen: Es lohnt sich, veraltete und patriarchale Muster aufzubrechen und mit starker Stimme und eigenen Vorstellungen relevante Rollen zu besetzen. Und für sie alle gilt das, was Kamala Harris so legendär auf den Punkt brachte: Auch wenn diese fünf Pionierinnen die ersten Frauen in den jeweiligen Ämtern sind oder waren – sie werden nicht die letzten sein.





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