„One in Eight“: Gala Night gibt Brustkrebs Stimmen und Bilder

Eine von acht Frauen erhält im Laufe ihres Lebens die Diagnose Brustkrebs. Es ist eine Zahl, die abstrakt klingt und es doch nicht ist, sobald man sie auf einen Raum voller Menschen überträgt.
Genau diesen Perspektivwechsel stellte die gestrige Gala Night „One in Eight“ im Fotografiska Berlin ins Zentrum. Eingeladen hatten die Estée Lauder Companies Breast Cancer Campaign, die an diesem Abend die diesjährige Brustkrebs-Kampagne im deutschsprachigen Raum eröffneten – gemeinsam mit Fotografiska, mit VOGUE Germany als Partner und FRAUEN100 als Co-Host.
Moderatorin Marwa Eldessouky machte gleich zu Beginn deutlich, worum es gehen sollte: nicht um Statistik, sondern um Zuhören. Um unterschiedliche Perspektiven, die nebeneinanderstehen dürfen, und um die Menschen hinter den Geschichten.
Kunst als Zugang
Ausgangspunkt der Initiative war ein internationaler Open Call: Fotograf*innen weltweit waren eingeladen, ihre Sicht auf Brustkrebs einzureichen. 1.134 Arbeiten aus 50 Ländern kamen zusammen. Das Kurationsteam von Fotografiska traf eine erste Auswahl, eine Jury mit Vertreterinnen der Estée Lauder Companies, von VOGUE Germany und der lokalen Charity-Partner, darunter dasBUUSENKOLLEKTIV e.V., bestimmte daraus die zehn Arbeiten der Final Selection. Eine Auswahl, die persönliche, dokumentarische und künstlerische Blickwinkel nebeneinanderstellt. „Fotografie kann Nähe schaffen, wo Worte manchmal nicht mehr ausreichen“, sagte Sophia Emmerich, Lead Editor bei Fotografiska Emerging.
Zwei der ausgewählten Künstlerinnen waren persönlich in Berlin: Erica Robinson reiste aus den USA an, Daniela Müller-Brunke lebt als Fotografin in der Stadt. Auf der Bühne erzählte die gebürtige Südafrikanerin die Geschichte hinter ihrem „Pink Sock Project“. Beim Besuch ihres Heimatdorfes fielen ihr Kinder auf, die zur Uniform rosa Socken trugen. Ein Mädchen hatte die Aktion gestartet, um Geld für Krebsforschung und Betroffene zu sammeln. Müller-Brunke beeindruckte, dass sich junge Menschen mit ihrem Taschengeld engagierten, obwohl sie selbst mit ganz anderen Sorgen leben und dass auch die Jungen die Socken mit großer Selbstverständlichkeit trugen.
Aufklären, ohne Angst zu machen
Im Panel unter der Moderation von Kerstin Weng, Head of Editorial Content bei VOGUE Germany, ging es um die Frage, wie aus Awareness auch Handlung wird. Steff Rödl vom dasBUUSENKOLLEKTIV e.V. schilderte, wie das Kollektiv aus dem Bedürfnis nach Austausch unter Betroffenen entstanden ist und warum Brustkrebs mit dem Abschluss der Chemotherapie nicht endet: Die Antihormontherapie dauere oft fünf bis zehn Jahre, körperliche Veränderungen wirkten lange nach. Als einen der schwersten Momente beschrieb sie den Haarverlust, weil er das Gegenteil von Selbstbestimmung sei. Ihr Wunsch an die Gesellschaft: Erkrankte nicht an den Rand zu rücken, sondern die Realität der Erkrankung in die Mitte zu holen. Rödl kritisierte, dass Frauen in Deutschland erst ab 50 zum Mammografie-Screening eingeladen werden, obwohl nach ihren Worten eine von sechs Erkrankungen Frauen unter 50 betrifft.
Linda Hoeck, General Manager DACH der Estée Lauder Companies, ordnete das langjährige Engagement des Unternehmens ein: Die Kampagne wurde 1992 von Evelyn H. Lauder gegründet, die auch die Pink Ribbon mitinitiierte, weil Brustkrebs damals wie heute mit Scham besetzt sei. Neben der Forschungsförderung gehe es darum, Brustkrebs und Frauengesundheit gesellschaftsfähig zu machen.
Zuhören und Raum geben
Das persönlichste Gespräch des Abends führten Sylvie Meis und Charlotte Potts: zwei Frauen, die selbst an Brustkrebs erkrankt sind. Sylvie Meis erhielt ihre Diagnose mit 31 Jahren in Madrid, in einem Land, dessen Sprache sie noch nicht sprach, mit einem kleinen Kind. Den Knoten hatte sie selbst ertastet. Ihre Mutter hatte ihr früh beigebracht, auf ihren Körper zu achten. Der erste Arzt schickte sie weg. Sie vertraute ihrer Wahrnehmung, ließ eine Biopsie machen und ist überzeugt: „Diese Intuition hat mein Leben gerettet.“
Charlotte Potts, Journalistin und Mutter zweier Söhne, erhielt ihre Diagnose mit 38. Drei Monate zuvor war ihr Ultraschall noch unauffällig gewesen, obwohl sie selbst etwas getastet hatte. Beide gaben den Gästen dieselbe Bitte mit: abtasten, Vorsorge ernst nehmen und sich nicht wegschicken lassen, wenn man dem eigenen Gefühl vertraut.
Und beide machten klar, dass es nicht den einen Umgang mit der Erkrankung gibt. Sylvie Meis vertraute ihrem Behandlungsteam und googelte bewusst nicht, Charlotte Potts wollte so viel Wissen wie möglich. Die eine arbeitete weiter, um sich nicht nur als Patientin zu erleben, andere ziehen sich zurück – beides habe seine Berechtigung. Den musikalischen Abschluss gestalteten Sängerin Elif und DJ Rhina Love.
Final Selection
Die zehn Arbeiten der Final Selection sind den gesamten Oktober im Fotografiska Berlin und in Stockholm zu sehen, ergänzt durch Pop-up-Ausstellungen in Wien, Zürich, Genf und München. Als Fundraising-Poster sind sie über den Online-Shop von Fotografiska erhältlich; 100 Prozent der Nettoerlöse gehen an die lokalen Charity-Partner, in Deutschland an dasBUUSENKOLLEKTIV e.V.
Text von Meike Schneiders





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