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FRAUEN100 x HEALTH: Knowledge is the real Plan A.

vor 6 Stunden
3 Min. Lesezeit

Wie viel wissen wir eigentlich über das Thema Notfallverhütung? Erschreckend wenig. Und wieso ist dieses Thema auch für viele immer noch mit Scham behaftet, obwohl bestimmt jeder von uns mindestens einmal mit dem Thema Pille danach in Kontakt gekommen ist?


Am 15. Oktober fand im Berliner Hotel Das Stue ein Abend von FRAUEN100 statt, der genau hier ansetzte. Unter dem passenden Motto „Knowledge is the real Plan A“ ging es um ein Thema, das uns alle angeht, über das aber immer noch viel zu oft betreten geschwiegen wurde. Für alle, die an diesem Abend leider nicht dabei sein konnten, haben wir, Marie und Tabea vom Podcast Tablettentalk, die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst. Wir waren vor Ort, um unsere Erfahrungen aus dem Apothekenalltag zu teilen. Denn die Apotheke, so unsere Botschaft, solle ein Ort sein, an dem man sich in einer Notlage gut beraten fühle. Reproduktive Entscheidungen dürften niemals mit Scham oder Rechtfertigungsdruck verbunden sein. 


Ein Abend, der verbindet 

Die Fakten sprachen an diesem Abend für sich: Nur etwa 12 Prozent der Frauen hätten ihren Eisprung wirklich genau am 14. Zyklustag. Trotzdem geistere diese starre Lehrbuch-Zahl in unzähligen Köpfen herum. Außerdem verwechsle fast jede zweite Person die Pille danach mit einer Abtreibungspille, und ganze 73 Prozent wüssten überhaupt nicht, dass man sie rezeptfrei in der Apotheke bekomme. Dass 27 Prozent aller Schwangerschaften ungeplant seien und fast die Hälfte davon zu einem Abbruch führe, zeigte extrem deutlich, wie dringend offen über diese Themen geredet werden musste.



Chiara Dülberg führte als Moderatorin durch das Programm und sorgte mit ihrer lockeren und einfühlsamen Art dafür, dass sich alle wohlfühlten und jede noch so kleine Frage gestellt werden durfte. Den ersten Impuls des Abends gab die Schauspielerin Caro Cult. Mit ihrem packenden Statement riss sie das Publikum mit und plädierte dafür, die Scham rund um unsere Körper endlich abzulegen, was den perfekten Startschuss für einen ehrlichen Abend lieferte. 


Aufklären, ohne Schamgefühl

Gleich danach waren wir an der Reihe und berichteten aus unserem Apothekenalltag. Wir schilderten, dass wir im Handverkauf hautnah erlebten, wie Frauen oft unsicher, mit gesenktem Kopf und leiser Stimme an den Tresen träten, weil sie die Pille danach bräuchten. Wir betonten lautstark: Es gebe absolut keinen Grund, sich dafür zu schämen! In der Apotheke hörten wir unzählige Geschichten und verurteilten niemanden.




Wir erklärten dem Publikum genau, wie ein Beratungsgespräch ablaufe. Es sei absolut kein Verhör. Wir stellten zwar wichtige Fragen – etwa zum genauen Zeitpunkt der Verhütungspanne oder zu anderen Medikamenten. Dies geschehe jedoch ausschließlich, um die Situation bestmöglich einzuordnen und medizinisch absolut sicher beraten zu können. Wir klärten darüber auf, dass man in der Apotheke jederzeit ausdrücklich nach einer weiblichen Ansprechpartnerin sowie nach einem diskreten Beratungsraum verlangen könne. Nach unserem Talk gingen direkt unzählige Hände nach oben und es war spürbar, wie viele Unsicherheiten noch in den Köpfen herumschwirrten.


Knowledge is the real Plan A! 

Anschließend erklärte die Gynäkologin und Sexualmedizinerin Helen Sange detailliert den Wirkmechanismus der Notfallverhütung. Sie räumte komplett logisch mit dem hartnäckigen Mythos vom perfekten Bilderbuch-Zyklus auf, da dieser bei jeder Frau verschieden sei. Besonders schön war ihre liebevolle und fürsorgliche Art; man spürte in jedem Moment, wie wundervoll sie auch mit ihren eigenen Patientinnen umgehe. 

Masha Sedgwick brachte als Content Creatorin eine weitere wichtige Sichtweise ein. Sie sprach mutig über eigene Erfahrungen und hinterfragte, wieso sich Frauen im Alltag ständig rechtfertigen müssten.



Masha zeigte dabei ein ziemliches Paradoxon auf: Einerseits traue die Gesellschaft Frauen zu, Kinder in die Welt zu setzen und großzuziehen. Gehe es aber um die Entscheidung für die Pille danach, werde ihnen plötzlich die Kompetenz abgesprochen und sie begegneten fast ausschließlich Misstrauen. 

Zum Schluss ordnete die Sexualtherapeutin und Sexualpädagogin Julia Henchen das Ganze aus psychologischer Sicht ein. Sie merkte an, dass das Thema Verhütung fast immer allein an den Frauen hängen bleibe. Dieser ständige Druck und der massive Mental Load würden natürlich etwas mit den Betroffenen machen. Diese Last könne sich nicht nur auf die Stimmung, sondern ganz direkt auf die Beziehung und das Sexleben auswirken. Wer gestresst sei und die Verantwortung allein trage, verliere natürlich auch die Unbeschwertheit. 


Wissen schafft Selbstbestimmung

Das Publikum war begeistert, und wir waren es auch. Es war ein unglaublich intensiver und wichtiger Abend. Mit tollen Beiträgen ging es nicht nur um Fachwissen, sondern um die Gewissheit, dass man sich in der Apotheke nicht schämen muss und dort nicht verurteilt wird. Echtes Wissen über Notfallverhütung schafft Selbstbestimmung. Wenn Wissen wirklich der echte Plan A ist, dann haben wir alle zusammen an diesem Abend ein richtig starkes Fundament gelegt. Es war beeindruckend zu sehen, welch stärkende Energie entsteht, wenn Frauen offen reden, Tabus brechen und füreinander da sind.


Text von Tabea & Marie




 
 
 

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