WM 2026: Der Fußball-Guide für alle, die mitreden wollen
- 9. Juni
- 4 Min. Lesezeit

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Abseits, Abstoß, Abpfiff: Was ihr zur WM 2026 wirklich wissen müsst
Die Fußball-Weltmeisterschaft ist das größte Sportereignis der Welt. Alle vier Jahre kommt sie, und alle vier Jahre lässt sie sich kaum ignorieren: in den Kneipen, in den Büros, in den Gruppenchats. Wer mitredet, redet mit. Wer nicht, fühlt sich schnell außen vor.
Dabei ist Fußball kein Geheimwissen. Die Regeln sind lernbar, die Taktik nachvollziehbar, und das Spiel selbst ist oft schlicht aufregend. Zum Auftakt der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko nehmen wir euch deshalb mit: durch die wichtigsten Grundlagen, durch die Momente, über die alle reden werden, und durch die Regeländerungen, die dieses Turnier besonders machen.
Erst einmal das Grundgerüst
90 Minuten, zwei Halbzeiten, zwei Mannschaften mit je elf Spielerinnen auf dem Platz. Wer am Ende mehr Tore erzielt hat, gewinnt. Soweit die Version, die jeder kennt.
Was dahinter steckt: Jede Mannschaft stellt eine Formation auf, also eine Anordnung der Spielerinnen auf dem Feld. Das klassische 4-3-3 etwa bedeutet vier Abwehrspielerinnen, drei im Mittelfeld, drei im Angriff, plus einer Torhüterin. Die Torhüterin ist die einzige Person, die den Ball mit den Händen berühren darf, und ausschließlich im eigenen Strafraum. Alle anderen spielen mit Fuß, Kopf oder Körper. Wer unerlaubt die Hand benutzt, riskiert einen Freistoß oder, wenn es im eigenen Strafraum passiert, einen Elfmeter.
Bis zu fünf Auswechslungen sind pro Spiel erlaubt. In der Verlängerung kommt eine vierte dazu. Die Nachspielzeit, jene Extraminuten am Ende jeder Halbzeit, wird offiziell von der Vierten Offiziellen angezeigt, kann aber je nach Spielverlauf stark variieren.
Bei dieser WM spielen erstmals 48 Mannschaften mit, aufgeteilt in zwölf Gruppen. Das Eröffnungsspiel findet am 11. Juni im Aztekenstadion in Mexiko-Stadt statt, das Finale am 19. Juli im MetLife Stadium nahe New York.
Abseits: die eine Regel, die jede*r kennt, aber kaum jemand erklären kann
Fast jedes Fußballgespräch kommt irgendwann zu diesem Punkt. Also klären wir es ein für alle Mal.
Abseits liegt vor, wenn eine angreifende Spielerin in dem Moment, in dem ihr der Ball zugespielt wird, näher am gegnerischen Tor ist als der Ball und zugleich als der vorletzte Gegner, also in der Regel die letzte Feldspielerin vor der Torhüter*in. Entscheidend ist nicht, wann der Ball ankommt, sondern wann er abgespielt wird.
Klingt kompliziert, ist aber oft eine Frage von Zentimetern. Genau deshalb überprüft der VAR, der Videoassistent, Abseitsentscheidungen inzwischen mit computergestützter Bildanalyse. Dass es dabei manchmal gefühlte Minuten dauert, bis ein Tor offiziell anerkannt wird, gehört mittlerweile zur WM-Erfahrung dazu.
Wer in der eigenen Hälfte steht oder auf gleicher Höhe mit der letzten Verteidiger*in, ist nicht abseits. Das Spiel läuft weiter.
Gelb, Rot, Elfmeter: Strafen und was sie bedeuten
Die Gelbe Karte ist eine Verwarnung. Wer zwei Gelbe sieht, wird mit Gelb-Rot vom Platz gestellt und kann nicht ersetzt werden. Das Team spielt bis zum Ende in Unterzahl. Die Rote Karte folgt bei grobem Foulspiel oder Tätlichkeiten, ebenfalls ohne Auswechselrecht.
Der Elfmeter ist die schärfste spielerische Strafe: Ein Foul im eigenen Strafraum führt zum Strafstoß von elf Metern, nur die Torhüter*in darf halten. Die statistische Erfolgsquote liegt bei rund 75 Prozent, trotzdem zählen Elfmeter zu den angespanntesten Momenten im Fußball.
Was sich bei dieser WM ändert
Der internationale Regelgeber IFAB hat für die WM 2026 drei Änderungen eingeführt, die alle auf dasselbe einzahlen: mehr echte Spielzeit, weniger taktische Unterbrechungen. Das ist kein Zufall. Zeitspiel war in den vergangenen Jahren ein wachsendes Problem, und der Fußball reagiert jetzt strukturell darauf.
Der 5-Sekunden-Countdown bei Abstoß und Einwurf ist die sichtbarste Neuerung. Wer sich bei einem Abstoß zu viel Zeit lässt, bekommt vom Schiedsrichter fünf Sekunden mit der Hand heruntergezählt. Verstreicht die Zeit ungenutzt, geht der Ball an den Gegner. Beim Einwurf gilt dasselbe. Wer das Spiel also bisher durch bewusstes Trödeln verlangsamt hat, verliert dieses Mittel.
Wer verletzt behandelt werden muss, verlässt künftig für mindestens eine Minute das Feld, bevor er oder sie zurückkehren darf. Das klingt wie eine Kleinigkeit, ist aber eine direkte Antwort auf eine bekannte Taktik: Verletzungen wurden in der Schlussphase enger Spiele bewusst eingesetzt, um Zeit zu schinden. Damit ist jetzt Schluss, mit zwei Ausnahmen: Torhüter*innen müssen bei Behandlungen nicht vom Feld. Und wer durch ein Foul verletzt wurde, für das der Gegner Gelb oder Rot sieht, ebenfalls nicht.
Die dritte Neuerung ist die ungewöhnlichste: Wer beim Gespräch mit der Gegenspieler*in Hand, Arm oder Trikot vor den Mund hält, um Lippenlesen zu verhindern, sieht sofort Rot. Diese Regel hat es in der Form noch nie gegeben. Sie reagiert auf eine zunehmend professionalisierte Form der taktischen Kommunikation auf dem Feld, die bisher kaum zu ahnden war.
Warum das alles relevant ist
Fußball ist nicht apolitisch, und die WM ist es erst recht nicht. Es geht um Spieler*innen, die unter extremem Druck stehen, um Verbände mit fragwürdiger Governance, um Milliardenbeträge, um Entscheidungen, die auf dem Platz getroffen und oft daneben noch wichtiger werden.
Wir werden diese WM mit den Augen verfolgen, die FRAUEN100 immer anlegt: neugierig, informiert und mit der Frage, wessen Perspektive sichtbar ist und wessen nicht. Wer trifft die Entscheidungen? Wer steht im Rampenlicht? Und wer verdient endlich die Anerkennung, die längst überfällig ist?
Die WM läuft vom 11. Juni bis 19. Juli. Wir schauen hin.





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