FRAUEN100 @ MSC – Menschen gehoeren ins Zentrum von Sicherheitspolitik
16. Februar 2026

Als offizielles Side-Event der Münchner Sicherheitskonferenz brachte das FRAUEN100 women-only Dinner gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik führende Stimmen aus Außenpolitik, Sicherheit, Wissenschaft, Wirtschaft und den Medien an einen Tisch. Unter dem Motto „Female Voices, Global Impact: Shaping Integrated Security Together“ wurde klar: Sicherheit muss neu gedacht werden – integriert, menschlich und mit Frauen im Zentrum der Entscheidungsprozesse.
Vivian Motzfeldt: Sicherheit beginnt bei den Menschen
Den Auftakt machte Vivian Motzfeldt, Ministerin für auswärtige Angelegenheiten Grönlands. Sie sprach eindrücklich über die geopolitischen Verschiebungen in der Arktis – und darüber, was diese für ein Land mit nur 57.000 Einwohner:innen bedeuten. Doch ihr Fokus war ein anderer: „None of us can stand alone. Our common security relies on joint effort – based on equality and respect.“ Besonders bewegend: Als sie nach einem hochrangigen Treffen in den USA vor die Weltpresse trat, sprach sie zuerst auf Grönländisch – für die Menschen zuhause. „For many in Greenland, it was the first time hearing their own language while the world was listening.“ Sicherheit, so Motzfeldt, beginne nicht bei Strategiepapieren – sondern bei Würde, Identität und der Verantwortung gegenüber der eigenen Bevölkerung.
Anita Anand: Frauen gehören an jeden Entscheidungstisch
Anita Anand, Außenministerin Kanadas, stellte die zentrale Frage des Abends: Warum sprechen wir 2026 immer noch darüber, dass Frauen in Führungspositionen gehören? „We need women at the table. And not just this table – every decision-making table.“ Ob Regierungen, Universitäten, Unternehmen oder Streitkräfte – nachhaltiger Frieden sei ohne weibliche Führung nicht denkbar. Kanada verstehe Außenpolitik als wertebasiert und pragmatisch zugleich: Demokratie, Versöhnung mit indigenen Gemeinschaften, Gleichstellung und Menschenrechte seien keine Add-ons, sondern strategische Grundlagen. Ihr Appell war persönlich. Inspiriert von ihrer Mutter, die ihr einst schrieb: „Aim high. You have been given a tenure of this life. Spend it doing great deeds.“ Ein Satz, der im Raum nachhallte.
Thérèse Kayikwamba Wagner: „Human security is structural power“
Eine klare sicherheitspolitische Einordnung kam von Thérèse Kayikwamba Wagner, Außenministerin der Demokratischen Republik Kongo. Sie zeichnete ein Bild eines Landes, in dem sich Klima, Rohstoffe, geopolitische Interessen und Konflikte überlagern. „Human security is not soft power. It is structural power.“ Nachhaltige Sicherheit entstehe nur, wenn wirtschaftliche Anreize, Klimaschutz und gesellschaftliche Stabilität zusammengedacht würden. Und immer wieder betonte sie die Rolle von Frauen: „Peace processes that meaningfully include women are more durable. Economic systems that empower women are more resilient.“ 25 Jahre nach der UN-Resolution 1325 sei es Zeit für echte Umsetzung – nicht für symbolische Jahrestage.
Rethinking Security: Wie Krisen ineinandergreifen
In der anschließenden Paneldiskussion wurde das Verständnis von Sicherheit konsequent erweitert. Mit auf dem Podium:
Sania Nishtar, CEO von Gavi
Ertharin Cousin, CEO Food Systems for the Future
Dr. Kira Vinke, Stellvertretende Forschungsdirektorin und Leiterin des Zentrums für Klima und Außenpolitik, DGAP
Klimawandel, Pandemien, Hunger, Desinformation – keine dieser Krisen existiere isoliert. Prävention wurde als strategisches Kerninstrument beschrieben. Nishtar warnte eindringlich: „It’s not a question of if the next pandemic comes – but when.“ Doch gleichzeitig würden genau jene Strukturen geschwächt, die globale Gesundheitsvorsorge ermöglichten. Ertharin Cousin brachte es auf den Punkt: „We cannot build fences high enough to keep out those who cannot feed their children.“ Hunger sei kein Randthema, sondern ein Treiber von Migration, Instabilität und Konflikt. Ohne Ernährungssicherheit keine globale Sicherheit. Kira Vinke ergänzte: „The women in this room can change the course of history. We cannot be pushed back.“ Der Raum für weibliche Stimmen dürfe nicht kleiner werden – er müsse wachsen.
Nazanin Boniadi: Frauenrechte sind kein Nebenschauplatz
Ein besonders bewegender Moment war der Beitrag von Nazanin Boniadi. Sie sprach über die Proteste im Iran, über tausende Tote, zehntausende Verhaftungen – und über die feministische Dimension der Bewegung. „Feminism is not a chant. It’s a claim to equal personhood.“ Ein Regime, das Frauen systematisch entrechte, könne weder legitim noch stabil sein. Ihr Appell an die internationale Gemeinschaft war unmissverständlich: Sanktionen gegen Verantwortliche, Schutz digitaler Kommunikation, Unterstützung für Zivilgesellschaft – und vor allem: nicht wegsehen. „If this moment is crushed, it will not be because Iranians lacked courage – but because the world failed to meet them.“
Sicherheit neu denken
Moderiert von Christina Lewinsky und Clara Pfeffer endete der Abend mit intensiven Gesprächen, fliegendem Dessert und echtem Networking. Doch jenseits aller Begegnungen blieb eine zentrale Erkenntnis: Sicherheit ist nicht nur militärisch. Sie ist menschlich. Sie ist ökologisch. Sie ist wirtschaftlich. Und sie ist untrennbar mit Gleichstellung verbunden. Oder, wie es an diesem Abend immer wieder deutlich wurde: Ohne Frauen keine nachhaltige Sicherheit.
Wir danken der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik für die Kooperation sowie dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft und der Gates Foundation für die Unterstützung dieses besonderen Abends.













































