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Einsam, obwohl nie allein – wenn Mutterschaft isoliert

31. März 2026

Das Baby ist da, liegt auf der Brust, braucht Nähe, rund um die Uhr. Und trotzdem schleicht sich bei vielen frisch gebackenen Müttern ein Gefühl ein, über das kaum gesprochen wird: Einsamkeit. Was paradox klingt, ist für viele Frauen bittere Realität. Eine aktuelle Umfrage zeigt, wie verbreitet dieses Empfinden ist – und warum es höchste Zeit ist, darüber zu sprechen.


Eine im September 2025 veröffentlichte Studie des US-Milchpumpenherstellers Momcozy kommt zu einem alarmierenden Ergebnis: 67 Prozent der Frauen fühlen sich nach der Geburt ihres Kindes einsam, bei 37 Prozent hält dieses Gefühl über Monate an. Rund jede dritte Mutter empfindet sich als sozial isoliert. Schlafmangel (71 Prozent) und Erschöpfung (68 Prozent) verstärken diese Situation zusätzlich. Zahlen, die zeigen: Einsamkeit nach der Geburt ist kein individuelles Versagen, sondern ein strukturelles Problem.


Der leise Abschied vom alten Leben

Das ist ein gewisser Schmerz über den Verlust des bisherigen Alltags. Es ist die Trauer um ein Leben, das so nicht mehr existiert: spontane Treffen, Gespräche auf Augenhöhe, das Gefühl, Teil einer Welt außerhalb der Babyblase zu sein. Besonders dann, wenn der Partner kurz nach der Geburt wieder in den Berufsalltag zurückkehrt, verändert sich der Alltag radikal. Während draußen das Leben weiterläuft, kreisen die eigenen Tage um Stillen, Wickeln, Trösten. Das eigene Ich rückt in den Hintergrund.


Viele Mütter unterschätzen, wie tiefgreifend dieser Umbruch ist. Selbst wenn klar war, dass sich mit einem Kind alles verändert, trifft die emotionale Wucht oft unerwartet. Freundschaften fühlen sich plötzlich weit weg an, Termine sind schwer planbar, die eigene Flexibilität schwindet. Hinzu kommt: Auch die Partnerschaft verändert sich. Aus Paaren werden Eltern, Zweisamkeit wird zur Ausnahme. All das kann Einsamkeit begünstigen – auch dann, wenn eigentlich Unterstützung da ist.


Allein – obwohl ständig berührt

Viele Mütter beschreiben ihre Einsamkeit mit einem scheinbaren Widerspruch: Sie sind den ganzen Tag in körperlichem Kontakt mit ihrem Baby – und fühlen sich trotzdem allein. Dieses Phänomen wird oft als „overtouched“ beschrieben. Gemeint ist das Gefühl, durch permanente Nähe, Stillen, Tragen und Berühren körperlich überreizt zu sein. Der eigene Körper gehört plötzlich kaum noch einem selbst. Nähe ist nicht mehr frei gewählt, sondern funktional, notwendig, fordernd. 


Genau darin liegt der Unterschied: Diese intensive, einseitige körperliche Nähe ersetzt keine erwachsene Beziehung, keinen Austausch auf Augenhöhe, kein Gesehen- und Verstandenwerden. Im Gegenteil: Wenn Berührung nicht mit emotionaler Resonanz, Gespräch oder gegenseitiger Fürsorge einhergeht, kann sie das Gefühl von Einsamkeit sogar verstärken. Viele Mütter erleben, dass sie zwar körperlich permanent gebraucht werden, sich emotional aber unsichtbar fühlen. Overtouched zu sein bedeutet daher nicht, genug Nähe zu haben – sondern oft, zu wenig von der richtigen Art davon.


Warum Einsamkeit ein Tabu bleibt

Aber: Einsamkeit passt nicht zum gängigen Bild der glücklichen Mutter. Viele Frauen schämen sich für diese Gefühle, aus Angst, undankbar oder als „schlechte Mutter“ wahrgenommen zu werden. Dabei ist Einsamkeit mehr als ein unangenehmes Gefühl. Studien zeigen, dass sie ein Risikofaktor für perinatale Depressionen sein kann. Der Rückzug aus dem sozialen Umfeld, oft aus Angst vor Stigmatisierung, verstärkt diesen Kreislauf zusätzlich.


Was helfen kann – reden, teilen, ernst nehmen

Psychologen raten, die eigenen Gefühle nicht zu verdrängen, sondern frühzeitig anzusprechen. Sich jemandem anzuvertrauen – dem Partner, einer Freundin, einer Hebamme oder Ärztin – kann entlasten. Niemand muss sich für Einsamkeit schämen. Auch der Kontakt zu anderen Müttern, etwa in Kursen oder offenen Treffpunkten, kann helfen, sich weniger allein zu fühlen. Ebenso wichtig ist es, Raum für sich selbst zu schaffen, so klein er auch sein mag.


Einsamkeit nach der Schwangerschaft ist kein persönliches Scheitern, sondern ein Signal. Ein Signal dafür, dass Mütter mehr gesehen, gehört und unterstützt werden müssen. Darüber zu sprechen ist der erste Schritt, um dieses Tabu zu brechen – und um zu zeigen: Du bist mit diesen Gefühlen nicht allein.


Text von Rebecca Stringa

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