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Love Scamming – wenn das Match mehr will als dein Herz

15. Januar 2026

Wenn wir über Gewalt gegen Frauen sprechen, denken viele zuerst an körperliche Übergriffe. An das, was sichtbar ist. Was Schlagzeilen macht. Was sich eindeutig benennen lässt. Was dabei oft übersehen wird: Gewalt gegen Frauen findet längst auch digital statt. Leiser, subtiler, emotional – und gesellschaftlich noch immer unterschätzt. Dating-Apps sind dabei kein neutraler Raum. Dating ist deswegen für viele Frauen kein harmloser Zeitvertreib, sondern immer auch eine Frage von Sicherheit. Wer wir sind, wie offen wir uns zeigen, wem wir vertrauen – all das hat reale Konsequenzen. Gerade online. 

Kein Wunder also, dass Dating-Apps zum Jahresanfang Hochsaison haben. Aber wo vermeintliches Vertrauen entsteht, entsteht auch Missbrauchspotenzial. Und das ist nicht zufällig, sondern systematisch.


Mehr Sport, weniger Doomscrolling, endlich wieder richtig daten: Der Kalender zeigt Januar, draußen ist es grau, drinnen sehnen wir uns nach Nähe. Und ein digitaler Raum, der genau weiß, wann wir besonders verletzlich sind. Dating-Apps registrieren, wann Menschen – und vor allem Frauen – emotional verfügbar, hoffnungsvoll und verbindungsbereit sind. Der erste Sonntag im Jahr gilt laut Tinder als einer der aktivsten Tage überhaupt. Millionen Menschen gleichzeitig auf der Suche nach Nähe. Was romantisch klingt, ist leider auch ein perfektes Einfallstor für gezielten Missbrauch. Denn dort, wo Vertrauen entsteht, sind Betrüger nicht weit. Und ihr Geschäftsmodell heißt: Love Scamming.


Was ist Love Scamming eigentlich?

Love Scamming – auch Romance Scam genannt – ist emotionaler Betrug mit System. Die Täter geben sich als potenzielle Partner aus, bauen Nähe, Vertrauen und eine scheinbar intensive Beziehung auf. Oft über Wochen oder Monate. Und irgendwann kommt er, der Bruch in der scheinbar perfekten Story: ein plötzlicher Notfall, ein angeblich gesperrtes Konto, eine exklusive Investitionschance „nur für uns“ oder ein Ticket, das aus irgendeinem Grund nie gekauft werden kann. Das Ziel ist fast immer Geld. Oder Daten. Oder beides. Und ja: Das passiert nicht „nur den Naiven“. Es passiert klugen, erfolgreichen, empathischen Menschen. Genau denen, die lieben können.


Daran erkennt Frau den Betrug

Es gibt keine Checkliste, die immer greift. Aber es gibt Muster:

  • Zu viel, zu schnell
    Große Gefühle nach wenigen Tagen. Zukunftspläne, bevor ihr euch überhaupt gesehen habt.

  • Immer eine Ausrede
    Warum Treffen nicht möglich sind: Auslandseinsatz, plötzliche Krankheit, dramatische Lebensumstände.

  • Isolation light
    „Die anderen verstehen unsere Liebe nicht.“ Ein Klassiker – subtil, aber wirkungsvoll.

  • Finanzielle Geschichten
    Kryptowährungen, Business-Modelle, Erbschaften, Notlagen. Romantik trifft Excel.

  • Plattformflucht
    Schnell weg von der Dating-App, rein in private Messenger. Weniger Kontrolle, mehr Manipulation. 

Und ganz wichtig: Dein Bauchgefühl ist kein Partycrasher. Es ist dein inneres Sicherheitskonzept. Falls dir das Match zu perfekt vorkommt, er nicht verifiziert ist oder mit anderem Namen auftritt, obacht! 


Love Scamming melden – was ist in Deutschland strafbar?

In Deutschland fällt Love Scamming in der Regel unter Betrug (§ 263 StGB), teilweise auch unter Computerbetrug (§ 263a StGB) oder weitere Straftatbestände, je nach Fall. Was du konkret tun kannst:

  • Anzeige bei der Polizei erstatten (auch online möglich)

  • Den Fake-Account bei der Plattform melden

  • Sofort die Bank kontaktieren, falls Geld geflossen ist

  • Beweise sichern: Chats, Profile, Zahlungsnachweise

  • Unterstützung bei der Verbraucherzentrale suchen

Wichtig: Scham ist hier fehl am Platz. Täter setzen gezielt auf Emotionen. Das ist kein persönliches Versagen, sondern ein strukturelles Problem. Was viele unterschätzen: Love Scamming ist kein harmloser Flirt mit falschem Namen. Die finanziellen Schäden können existenziell sein. Betroffene verlieren nicht selten mehrere tausend Euro, in manchen Fällen sogar ihr gesamtes Erspartes. Kredite werden aufgenommen, Rücklagen aufgelöst, Investitionen getätigt, die nie existiert haben. Der Schaden ist dabei nicht nur finanziell. Wer merkt, dass Vertrauen gezielt missbraucht wurde, zahlt oft doppelt: mit Geld – und mit dem Gefühl, sich selbst nicht mehr trauen zu können.


Und jetzt der vielleicht wichtigste Teil

Für mehr Realität statt romantischer Mythos: Allein sein ist kein Mangelzustand. Es ist kein Übergang. Kein Makel. Kein Projekt mit Deadline. Die Erzählung, dass wir „endlich jemanden brauchen“, macht uns anfällig. Für schlechte Dates. Für faule Kompromisse. Und im schlimmsten Fall für Menschen, die unsere Sehnsucht ausnutzen. Dating darf Spaß machen. Liebe darf überraschen. Aber niemand muss sich blind ins emotionale Risiko stürzen, nur weil der Kalender Januar sagt. Cozy Moments zu zweit sind schön. Cozy Moments mit sich selbst auch. Und manchmal ist Selbstrespekt die romantischste Entscheidung von allen.


Text von Rebecca Stringa

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