Rosa, teuer und einfach frech – die „Pink Tax“
26. August 2025

Haare ab, Geld her – aber bitte mit Aufpreis, wenn man eine Frau ist. Klingt nach einem schlechten Witz, ist aber Alltag: beim Friseur, in der Reinigung, im Drogerieregal. Ob Shampoo, Rasierer oder Medikamente – Frauen zahlen oft mehr, nur weil auf der Packung ein rosa Etikett klebt. Dieses Phänomen hat sogar einen Namen: Pink Tax. Keine echte Steuer, aber eine, die Monat für Monat ganz real im Portemonnaie landet.
Ist euch schon mal aufgefallen, dass ein Damen-Kurzhaarschnitt beim Friseur meist teurer ist als ein Herrenhaarschnitt – selbst wenn die Frau schon mit raspelkurzen Haaren auf dem Stuhl sitzt? Gleiche Leistung, gleicher Aufwand, anderer Preis. Frech. Ja, we know. Willkommen in der Welt der Pink Tax.
Was ist die Pink Tax?
Nein, es handelt sich nicht um eine staatliche Sonderabgabe auf Lippenstift und Lockenwickler. Die Pink Tax beschreibt das Phänomen, dass Produkte und Dienstleistungen für Frauen oft mehr kosten als für Männer – obwohl sie nahezu identisch sind. Einziger Unterschied: das Etikett, die Duftnote oder die Farbe. Und die ist meist … na klar, pink. Andere Bezeichnungen dafür sind „Gender Pricing“ oder „Women Tax“.
Wo begegnet uns die Pink Tax?
Die Beispiele sind so zahlreich wie ärgerlich:
Drogerie-Regal: Frauen zahlen für Rasierschaum bis zu 80 % mehr als Männer.
Parfum: Unterschiede von bis zu 70 bis 80 % bei Luxusmarken – nur wegen „Damen“-Label.
Rasierzubehör: Je nach Marke bis zu 100 % Aufschlag für Frauen.
Deo: Aufpreis von 30 bis 40 %.
Duschgel: Bis zu 30 % mehr für die rosa Variante.
Reinigung: Damenbluse wird teurer berechnet als Herrenhemd – auch wenn Stoff, Schnitt und Aufwand identisch sind.
Friseur: Fast 90 % der Salons verlangen für einen Damen-Kurzhaarschnitt mehr Geld als für den identischen Männerhaarschnitt.
Medikamente: 2024 brachte Sanofi „Buscopan Plus Pink“ auf den Markt – identisch mit dem Original, aber 17 % teurer.
Eine aktuelle Auswertung zeigt: Für die tägliche Morgenhygiene zahlen Frauen im Schnitt 60,1 Euro, Männer dagegen nur 44,4 Euro. Das ist ein Unterschied von 35,4 % – Monat für Monat, Jahr für Jahr. Und jetzt kommt’s: Während Frauen für bestimmte Produkte mehr zahlen, verdienen sie gleichzeitig im Schnitt 18 % weniger als Männer. Weniger Geld in der Tasche, aber höhere Kosten beim Einkauf – das ist kein Luxusproblem, sondern knallharte Ungerechtigkeit.
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Ist die Pink Tax strafbar?
Grundsätzlich gilt: Unternehmen dürfen Preise frei festlegen. ABER: Wenn allein das Geschlecht über den Preis entscheidet, kann das einen Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz darstellen. Beispiel: Eine Frau mit Kurzhaarschnitt muss denselben Preis verlangen dürfen wie ein Mann mit Kurzhaarschnitt. Gleiches gilt in der Reinigung. Das Problem: Viele Frauen fordern ihr Recht nicht ein. Noch.
Warum existiert die Pink Tax überhaupt?
Die Antwort heißt Gendermarketing. Unternehmen teilen Konsument:innen in zwei Zielgruppen: Männer und Frauen. Frauen geben – so das Kalkül – eher mehr Geld für Produkte rund um Schönheit und Pflege aus. Rollenklischees verstärken das: Von klein auf wird Mädchen vermittelt, dass ihr Aussehen wichtig sei. Glitzer-Einhorn für Mädchen, Dinosaurier für Jungen – und schon werden unterschiedliche Bedürfnisse geschaffen, die sich im Erwachsenenalter in Kaufentscheidungen niederschlagen. Kurz: Unternehmen profitieren von Stereotypen. Und wir alle zahlen dafür – im Zweifel die pinke Rechnung.
Darum lohnt es es sich, in der Männerabteilung zu shoppen
Weil der Rasierer im schwarzen Plastikgehäuse günstiger rasiert als sein pinker Zwilling. Weil das „Herren“-Shampoo denselben Schaum hat, aber weniger kostet. Weil Pflege nicht nach Geschlecht funktioniert. Und weil der Kassenbon zur kleinen feministischen Rebellion werden kann.
Was können wir tun?
Clever einkaufen: Produkte vergleichen und auch mal in der Männerabteilung zugreifen. Gleicher Inhalt, kleinerer Preis. Meist sind die Männer-Rasierer sogar ein Ticken schärfer (ich rede hier aus Erfahrung).
Laut werden: Social Media hat gezeigt, was möglich ist – der Fall „Buscopan Plus Pink“ führte nach öffentlichem Druck zur Preisanpassung.
Ansprechen: Ob im Salon oder in der Reinigung – wenn der Preis ungleich ist, fragt nach. Und beruft euch auf das Gleichbehandlungsgesetz.
Unterstützen: Organisationen wie „Pinkstinks“ oder der „Goldene Zaunpfahl“-Award kämpfen gegen absurdes Gendermarketing.
Kleine Erfolge – große Wirkung
Immerhin: Es tut sich was. 2020 wurde die sogenannte „Tamponsteuer“ gesenkt – von 19 % auf 7 %. Endlich gelten Menstruationsprodukte offiziell als Güter des täglichen Bedarfs. Und auch bei Einwegrasierern hat sich etwas getan: Frauen und Männer zahlen mittlerweile in vielen Drogerien gleich viel. Kleine Siege, die zeigen: Veränderung ist möglich.
Die Pink Tax ist eben keine kleine Nebensache, sondern ein Symptom struktureller Ungerechtigkeit. Frauen verdienen weniger, zahlen aber mehr – für denselben Haarschnitt, dasselbe Deo, dieselbe Tablette. Das Problem ist so real wie absurd. Die gute Nachricht: Bewusstsein verändert Märkte. Jeder Einkauf kann ein Statement sein – gegen überteuerte Pink-Produkte und für fairere Preise. Und beim nächsten Friseurbesuch gilt: Nicht nur die Haare, auch die Preise bitte gleich schneiden.
Text von Rebecca Stringa




