Warum Frauen das Kino der Zukunft praegen
20. Januar 2026

Mehr Frauen auf der Leinwand? Großartig. Mehr weibliche Superstars? Unbedingt. Aber bevor wir uns selbstzufrieden zurücklehnen, sollten wir kurz innehalten – und ehrlich sein. Sichtbarkeit allein macht noch keine Revolution. Denn was bringt die Hauptrolle, wenn sie immer noch in alten Bildern gefangen ist? Wenn wir also über die Zukunft des Kinos sprechen, dann nicht nur über wer sichtbar ist, sondern wie. Welche Filme im Jahr 2026 dahingehend vielversprechend klingen, haben wir einmal zusammengefasst.
Hollywood liebt Superlative. Bigger. Louder. Explosiver. Lange galten sie vor allem für männliche Helden mit Cape, reichlich Waffen oder Midlife-Crisis. Doch etwas hat sich verschoben. Still, aber unübersehbar. Frauen stehen nicht mehr nur am Rand der Leinwand – sie tragen Filme, Franchises und ganze Studios. Und das nicht als Ausnahme, sondern als neue Normalität. Das letzte Jahr und dieses markieren bereits einen Wendepunkt: weibliche Superstars dominieren Kinocharts, erzählen komplexe Geschichten und beweisen, dass Sichtbarkeit keine Quote ist, sondern Qualität.
Warum weibliche Sichtbarkeit mehr ist als Repräsentation
Filme und Serien prägen unser Weltbild. Sie zeigen uns, wer Held*innen sein dürfen, wessen Geschichten erzählenswert sind – und wessen nicht. Jahrzehntelang war klar: Männer handeln, Frauen reagieren. Männer retten die Welt, Frauen sind der emotionale Subplot. Studien zeigen immer wieder: Wenn Frauen auf der Leinwand sichtbar sind, vielfältig, widersprüchlich, mächtig, verändert das nicht nur die Kulturindustrie, sondern auch gesellschaftliche Vorstellungen von Führung, Begehren, Mutterschaft, Alter und Macht. Sichtbarkeit ist also wichtig und richtig.
Der Bechdel-Test – ein Minimalstandard mit maximaler Aussagekraft
Doch Sichtbarkeit ist nicht gleich Veränderung, Wir wollen Frauen sehen, die etwas zu sagen haben, die Schlüsselfiguren in Film und Fernsehen sind. Und dafür gibt es sogar eine Methode, um dies zu analysieren. Der sogenannte Bechdel-Test stellt drei simple Fragen:
Gibt es mindestens zwei Frauen mit Namen?
Sprechen sie miteinander?
Und sprechen sie über etwas anderes als einen Mann?
Was banal klingt, entlarvt ein strukturelles Problem: Noch immer scheitern erstaunlich viele Filme an diesen drei Kriterien. Umso bemerkenswerter ist es, dass aktuelle Produktionen nicht nur bestehen – sondern den Test längst hinter sich lassen. Frauen sind nicht mehr nur „da“, sie treiben Handlung, Konflikt und Perspektive.
Kassensturz mit Message: Die bestverdienenden Stars sind Frauen
Ein starkes Signal kommt auch aus der ökonomischen Realität Hollywoods: Zoë Saldaña und Scarlett Johansson gehören inzwischen zu den bestverdienenden Stars der Filmgeschichte. Nicht als romantische Nebendarstellerinnen, sondern als tragende Säulen milliardenschwerer Franchises. Das ist kein Zufall, sondern ein Beweis: Frauen verkaufen Tickets. Frauen tragen Blockbuster. Frauen sind das Business.
Die Filme, die uns 2026 begeistern werden
The Bride!
Frankenstein, aber make it feminist. Jessie Buckley als wiederbelebte Frau, die nicht dankbar, sondern radikal ist. 1930er-Chicago, soziale Revolution, weibliches Begehren. Ein Film, der Genregrenzen sprengt und Mary Shelley stolz machen dürfte.
Hamnet
Shakespeare aus weiblicher Perspektive. Jessie Buckley (ja, die Schauspielerin wird ein wirklich gutes Jahr haben) als Agnes, die trauernde Mutter, die Liebende, die Überlebende. Zart, schmerzhaft und poetisch. Ein Film über Verlust – und darüber, wessen Geschichte erinnert wird.
Send Help
Rachel McAdams strandet mit ihrem toxischen Boss auf einer Insel. Sam Raimi inszeniert Corporate Power Games als Survival-Horror. Revenge-Fantasie inklusive. Feminismus trifft Splatter – why not?
Wuthering Heights
Margot Robbie und Jacob Elordi in einer Gothic-Romanze, die garantiert nicht schulbuchhaft wird. Fennell macht aus dem Klassiker ein erotisches, überzeichnetes Psychodrama. Kontrovers? Sicher. Langweilig? Niemals.
The Devil Wears Prada 2
Miranda Priestly ist zurück. Und mit ihr eine der ikonischsten Frauenfiguren der Popkultur. Karriere, Macht, Ambition – diesmal mit dem Wissen von heute. Wir sind bereit.
Supergirl
Milly Alcock als Kara Zor-El: gebrochen, wütend, komplex. Basierend auf Woman of Tomorrow bekommt DC endlich eine Superheldin mit Tiefe statt Dauerlächeln.
Sense and Sensibility
Jane Austen neu gedacht. Daisy Edgar-Jones führt durch ökonomische Unsicherheit, Schwesterndynamik und leise weibliche Stärke. Kein Nostalgieprojekt, sondern ein zeitloser Blick auf Abhängigkeit und Selbstbestimmung.
Wenn wir schon dabei sind: Stereotype, die wir wirklich nicht mehr sehen wollen
Mehr Frauen auf der Leinwand sind ein Anfang. Aber solange sie in rassistischen, sexistischen und körperfeindlichen Schablonen stecken, ist das kein Fortschritt, sondern Kosmetik. Also bitte einmal aufräumen.
Die junge Frau & der Mann, der ihr Vater sein könnte
Nein, das ist keine „zeitlose Liebe“. Das ist eine Altherrenfantasie mit Prestige-Budget. Männer altern wie Wein, Frauen wie Milch? Diese Erzählung ist nicht nur überholt, sie ist schlicht realitätsfern. Wir wollen Liebesgeschichten, in denen Frauen jenseits der 40 begehrt, widersprüchlich und zentral sind – und zwar ohne Erklärungspflicht.
Rassismus mit Drehbuch – alte Bilder, neue Filme
Wenn ihr euch fragt, warum gesellschaftliche Debatten so vergiftet sind: Ein Blick ins Kino reicht. Der arabisch gelesene Mann als Terrorist oder Krimineller. Die asiatische Frau als exotische Projektionsfläche – Masseurin, Prostituierte, Dragon Lady. Sinti* und Roma* als Wahrsagerinnen, Trickbetrüger oder ewige Randfiguren. Das ist keine „Realitätsnähe“, das ist jahrzehntelange Reproduktion von Vorurteilen. Wenn ihr wirklich Vielfalt erzählen wollt, dann zeigt Menschen mit Ambitionen, Humor, Widersprüchen, Alltäglichkeit, Macht. Nicht immer nur als Problem, Bedrohung oder folkloristische Kulisse. Kurz: Weniger Klischee, mehr Charakter. Weniger Angstbild, mehr Mensch.
Die „dicke Frau“ als Comic Relief
Sie ist lustig, loyal, selbstironisch – aber niemals diejenige, die begehrt wird oder die Handlung trägt. Die „dicke Frau“ als Sidekick ist eines der hartnäckigsten Klischees der Popkultur. Wir wollen endlich mehrgewichtige Hauptrollen. Mit Sex, mit Liebe, mit Ambivalenz, mit Macht. Ohne „Transformation“. Ohne Witz auf ihre Kosten.
Die Frau als moralisches Gewissen aller
Sie rettet emotional, heilt traumatisierte Männer, hält Familien zusammen, opfert sich auf – und darf selbst nicht scheitern. Frauenfiguren müssen nicht immer Vorbilder sein. Sie dürfen egoistisch, fehlerhaft, laut, falsch, unbequem sein. Das ist keine Schwäche, das ist Charakter.
Divers, aber bitte nicht zu komplex
Die lesbische Freundin ohne eigenes Begehren. Die Schwarze Frau als weise Ratgeberin. Die starke Frau ohne Innenleben.
Die Zukunft ist weiblich – und verdammt vielfältig
Was wir gerade erleben, ist kein Trend, sondern eine Korrektur. Frauen erzählen ihre Geschichten selbst, vor und hinter der Kamera. Sie dürfen widersprüchlich sein, begehrend, ambivalent, mächtig, verletzlich. Und vor allem: sichtbar. Das Kino der Zukunft ist kein Männerclub mehr. Es ist laut, komplex – und weiblich.
Text von Rebecca Stringa




