top of page
F100_schwarz_rosa.png
Instagram Postings-8.png

Mythos vom fehlenden politischen Interesse

15. August 2025

„Ich wollte die Schwierigkeiten aufzeigen, mit denen eine Frau konfrontiert ist, die arbeitet und gleichzeitig Mutter ist” – mit diesem Satz schrieb Licia Ronzulli europäische Politikgeschichte. Als die italienische Europaabgeordnete 2010 mit ihrer gerade einmal 44 Tage alten Tochter Vittoria den Plenarsaal betrat, war das mehr als ein symbolischer Auftritt. Drei Jahre lang nahm sie Vittoria zu jeder Sitzung mit ins Herz der europäischen Politik. Und zeigte damit der Welt, wie absurd es ist, dass Vereinbarkeit von Beruf und Familie noch immer fast ausschließlich Privatsache von Frauen ist.


Deutschland 2025: Frauen weiter am Rand der Macht

Auch 15 Jahre nach Ronzullis stillem Protest sind Frauen in der Politik unterrepräsentiert – und zwar deutlich. Nach der Bundestagswahl 2025 sitzen nur noch rund 32 Prozent Frauen im Parlament. Weniger als vor der Wahl, weniger Vielfalt, weniger Perspektiven. Besonders bitter: Der Rückgang ist kein Zufall, sondern Folge verkrusteter Strukturen.

Wer in die Politik will, muss Abendtermine, Wochenendsitzungen und monatelange Wahlkampf-Touren stemmen – ein Modell, das bestens funktioniert, solange jemand anderes zu Hause die Care-Arbeit übernimmt. Meistens: eine Frau. Wer selbst Mutter ist, bekommt selten die nötige Unterstützung. Und auf den Wahlzetteln fehlen die Namen von Frauen oft gleich ganz, weil parteiinterne Vorurteile Direktkandidaten in Männerhand belassen.


Was auf dem Spiel steht

Politik ist kein abstraktes Schachbrett – sie wird von Menschen gemacht, die ihre Erfahrungen und Perspektiven mitbringen. Wenn Frauen fehlen, fehlen Themen wie faire Rentenmodelle, Mutterschutz für Selbstständige, Lohngerechtigkeit oder eine Care-Arbeit-Politik, die diesen Namen verdient. Eine Demokratie, die auf die Hälfte ihrer Stimmen verzichtet, verliert Legitimität – und vor allem Lösungen, die die Lebensrealität aller widerspiegeln.


Was sich ändern muss – und zwar sofort

Mehr Frauen in die Politik zu bringen, ist kein Zufallsprojekt, sondern das Ergebnis gezielter Reformen:

  1. Verbindliche Paritätsgesetze, damit Frauen auf wählbaren Listenplätzen stehen – und nicht auf der Warteliste der Demokratie.

  2. Familienfreundliche Sitzungszeiten statt politischer Nachtschichten.

  3. Kinderbetreuung während aller Sitzungen – nicht nur als Gnade, sondern als Standard.

  4. Digitale und hybride Teilnahme, um Fahrzeiten und unnötige Abwesenheit zu vermeiden.

  5. Finanzielle Anerkennung und Rentenpunkte für politisches Engagement.

  6. Gleichberechtigte Care-Arbeit zwischen Männern und Frauen, damit politische Arbeit nicht zur Überlastung führt.

Der Mythos vom fehlenden Interesse

Das Narrativ, Frauen wollten einfach nicht in die Politik, hält sich hartnäckig. Die Realität ist: Viele wollen, viele könnten – wenn die Strukturen nicht wie ein Filter funktionieren würden, der Mütter, junge Frauen oder Menschen mit Pflegeverantwortung aussortiert.


Fazit: Politik muss sich bewegen

Licia Ronzullis Auftritt mit ihrer Tochter war ein mutiges Zeichen – aber es war eben nur ein Zeichen. Solange Frauen in der Politik mehr Organisationstalent als Macht besitzen müssen, um überhaupt mitreden zu können, bleibt unsere Demokratie eine halbe Sache.


Wer Politik für alle will, muss Politik von allen machen lassen. Und das heißt: Frauen rein in die Parlamente – nicht trotz ihrer Lebensrealität, sondern mit ihr.

Aktuelle Beiträge

Frauen, Familie, Gesellschaft, Politik

Warum Frauen das Kino der Zukunft praegen

Frauen, Trends, Partnerschaft

Love Scamming – wenn das Match mehr will als dein Herz

Frauen, Politik, Interview, Arbeit

Exklusives FRAUEN100-Interview mit Baerbel Bas

bottom of page