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Wenn Mädchen vom Spielfeld verschwinden – verlieren alle

30. September 2025

Mädchen, die Sport treiben, sind stärker – wissenschaftlich belegt. Sie entwickeln mehr Selbstbewusstsein, Teamgeist und Resilienz. Sie lernen, Verantwortung zu übernehmen, Rückschläge zu meistern und zusammen über sich hinauszuwachsen. Kurz: Sport ist Empowerment. Aber genau hier liegt das Problem: Zu viele Mädchen steigen aus, bevor sie diese Erfahrungen überhaupt machen können.


Studien zeigen, dass fast die Hälfte aller Mädchen weltweit den Sport bis zum Teenageralter aufgibt – deutlich mehr als Jungen.¹ Der Grund sind nicht mangelnde Fähigkeiten, sondern gesellschaftliche Barrieren: fehlende Vorbilder, stereotype Geschlechterrollen, finanzielle Hürden oder schlicht das Gefühl, nicht willkommen zu sein. Das Ergebnis? Ein Verlust von Selbstwirksamkeit – und eine verpasste Chance, Strukturen zu durchbrechen, die Frauen  kleinhalten.


„Ich habe mich geschämt“ – Sport und Pubertät

Die Zahlen sind eindeutig: 64 Prozent der Mädchen geben an, während der Pubertät weniger Sport zu treiben oder ganz aufzuhören.² Der Grund ist oft das Körperbild. Scham, die Angst vor Bewertung und der Druck, „weiblich“ auszusehen, sind stärkere Gegner als jede gegnerische Mannschaft.


„Mädchen hören nicht auf, weil sie den Sport nicht lieben. Sie hören auf, weil sie in einer Kultur aufwachsen, die ihnen sagt: Dein Körper ist zum Anschauen da, nicht zum Schwitzen“, erklärt die Soziologin Cheryl Cooky von der Purdue University.³ Während Jungen in dieser Phase durch Sport oft Anerkennung und Status gewinnen, sehen Mädchen ihre körperliche Veränderung als Makel – und ziehen sich zurück.


Kapitalismus, Patriarchat – und die Sportarena

Das Problem ist nicht der Sport an sich, sondern die Strukturen drumherum. Während in Männerligen Milliarden fließen, kämpfen Frauen- und Mädchenteams häufig um Hallenzeiten, Ausrüstung und Sichtbarkeit. Die FIFA gab 2022 fast 7 Milliarden US-Dollar für den Männerfußball aus – für Frauenfußball waren es nicht einmal 1 Milliarde.⁴


Die Botschaft ist klar: Männerkörper werden als leistungsfähig und profitabel wahrgenommen, Frauenkörper als Beiwerk. Das spiegelt sich auch im Medienecho: Nur etwa 4 Prozent der Sportberichterstattung weltweit widmet sich Frauen.⁵ Ohne Sichtbarkeit fehlen wiederum Vorbilder – ein Kreislauf, der Mädchen vermittelt: Dein Platz ist nicht hier.


Empowerment auf dem Spielfeld

Dabei zeigt die Forschung das Gegenteil: Teamsport ist ein Motor für Gleichstellung. Mädchen, die aktiv Sport treiben, haben eine 1,5-mal höhere Wahrscheinlichkeit, Führungsrollen in Schule oder Beruf zu übernehmen.⁶ In Umfragen geben 80 Prozent der Frauen an, dass Sport ihnen geholfen hat, selbstbewusster aufzutreten.⁷


In Vereinen, Projekten und Initiativen lässt sich das beobachten: Mädchen, die gemeinsam trainieren, erfahren Selbstwirksamkeit, lernen Solidarität und entwickeln Resilienz. Sport wird zum Ort, an dem sie Stärke erleben – nicht, weil sie perfekt aussehen, sondern weil sie Grenzen verschieben.


Stark sein ist politisch

Ob Fitnessstudio, Fußballplatz oder Yogakurs – Sport ist nicht neutral. Wer Sport für Mädchen unsichtbar oder unzugänglich macht, verweigert ihnen eine Ressource, die Männer selbstverständlich nutzen: den Körper als Ort von Stärke, nicht von Kontrolle.


Feminismus im Sport bedeutet, Räume zurückzuerobern, in denen Mädchen nicht bewertet, sondern ermutigt werden. Es bedeutet, Scham in Stolz zu verwandeln und sichtbar zu machen, dass Stärke mehr ist als Muskeln – sie ist Widerstand.


Empowerment auf dem Spielfeld heißt:

  1. Trainingszeiten, die Mädchen nicht an den Rand drängen.

  2. Vorbilder, die Vielfalt sichtbar machen.

  3. Finanzierung, die nicht nur Jungs fördert.

  4. Und Strukturen, die Stärke nicht als Ausnahme, sondern als Selbstverständlichkeit sehen.


Kurzer Fakten-Check:
  • 43 Prozent der Mädchen weltweit geben Sport bis zum Teenageralter auf (Women in Sport, 2022).

  • 64 Prozent der Mädchen fühlen sich während der Pubertät unwohl im Sport (UNICEF, 2020).

  • Nur 4 Prozent der Sportberichterstattung weltweit widmen sich Frauen (Cooky et al., 2021).

  • Mädchen, die Sport treiben, haben eine 1,5-mal höhere Chance auf Führungsrollen (EY & espnW, 2015).

  • 80 Prozent der Frauen berichten, durch Sport mehr Selbstbewusstsein entwickelt zu haben (Women’s Sports Foundation, 2020).


Quellen:

  1. Women in Sport (2022). Reframing Sport for Teenage Girls.

  2. UNICEF (2020). Reimagining Girls’ Participation in Sports.

  3. Cooky, C. et al. (2021). Gender in Televised Sports: Seven-Year Update. Purdue University.

  4. FIFA (2022). Financial Report.

  5. Cooky, C., Messner, M. (2021). No Slam Dunk: Gender, Sport and the Unevenness of Social Change.

  6. EY & espnW (2015). Where Will You Find Your Next Leader?

  7. Women’s Sports Foundation (2020). Chasing Equity: The Triumphs, Challenges, and Opportunities in Sports for Girls and Women.

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