Darum brauchen wir in Deutschland ein eindeutiges Dickpic-Verbot
4. September 2025

Ein Klick, ein Penis, null Zustimmung. Willkommen im Zeitalter der Dickpics – digitale Übergriffe, die so normalisiert sind, dass viele Betroffene gar nicht mehr wissen: Darf ich mich dagegen wehren? (Spoiler: Ja!) Während Österreich längst klare Kante zeigt und Dickpics jetzt unter Strafe stellt, hinkt Deutschland noch mit juristischen Flickenteppichen hinterher. Warum das ein Problem ist, wie Betroffene sich schützen können – und weshalb es höchste Zeit für ein echtes „Dickpic-Verbot“ auch bei uns ist.
Es fängt meistens harmlos an: Pling, neue Nachricht. Der schnelle Blick aufs Handy, vielleicht von einem Flirt, vielleicht von einem Bekannten – und dann: Schockstarre. Ein Penis. Ganz nah. Ganz ungefragt. Dabei klingt der Name fast witzig: ein Kofferwort aus dick (englisch für Schwanz) und pic (Bild). Doch das, was dahintersteckt, ist alles andere als harmlos. Dickpics sind digitale Übergriffe. Virtueller Exhibitionismus. Machtspielchen mit Ekelgarantie. Und für viele Frauen Alltag.
Österreich macht’s vor – Deutschland stolpert hinterher
Seit dem 1. September ist das ungefragte Versenden von Genitalbildern in Österreich endlich strafbar. Wer ein Dickpic verschickt, riskiert dort bis zu sechs Monate Haft. Justizministerin Anna Sporrer brachte es auf den Punkt: Ein ungefragtes Penisfoto ist „ein invasiver Übergriff in die Privatsphäre“ – und genau so muss es auch behandelt werden.
Und Deutschland? Hier herrscht juristische Flickschusterei. Strafbar könnte ein Dickpic sein – je nach Einzelfall – unter:
§ 184 StGB (Verbreitung pornografischer Inhalte),
§ 183 StGB (exhibitionistische Handlungen) oder
§ 185 StGB (Beleidigung).
Das Problem: Die Auslegung ist schwammig, Verfahren sind aufwendig, und am Ende passiert viel zu oft – nichts. Digitale Gewalt landet zwischen den Paragrafen, Betroffene bleiben allein zurück.
Zahlen, die schockieren
Studien zeigen: 40 Prozent zwischen 18 und 36 Jahren hat laut einer Umfrage aus 2018 schon einmal ein Penisfoto erhalten. Rund 90 Prozent davon waren ungefragt. Und nein – es handelt sich dabei nicht um ungeschickte Flirtversuche, sondern um sexuelle Belästigung. Ungefragte Dickpics sind ein Machtinstrument. Sie sollen schockieren, einschüchtern und Betroffene in eine defensive Rolle zwingen.
Warum Betroffene das nicht einfach „wegwischen“ müssen
„Ist doch nur ein Bild“, sagen manche. Nein, ist es nicht. Für Betroffene bedeutet es oft Ekel, Scham, Hilflosigkeit – und manchmal sogar Retraumatisierung, wenn sie bereits sexualisierte Gewalt erlebt haben. Dickpics sind eine Grenzüberschreitung, die nicht weniger verletzend ist, nur weil sie digital stattfindet.
Was man tun kann – Tipps für Betroffene
Beweise sichern: Nicht löschen! Screenshots machen, Absender dokumentieren, Uhrzeit festhalten. Wer eine Anzeige erstatten möchte, braucht Nachweise.
Anzeige erstatten: Das geht bei jeder Polizeidienststelle oder online. Auch HateAid bietet Unterstützung – Betroffene können über deren Portal schnell Anzeige stellen.
Blockieren & melden: Auf Social Media oder Dating-Plattformen sollten Täter blockiert und gemeldet werden. Auch wenn es sich klein anfühlt: Jede Meldung hilft, Druck auf Plattformen auszuüben.
Unterstützung holen: Niemand muss allein mit dem Gefühl der Grenzverletzung bleiben. Beratungsstellen wie HateAid oder der Hilfetelefon-Service gegen Gewalt unterstützen kostenlos und vertraulich.
Klar positionieren: Betroffene dürfen selbst entscheiden, wie sie reagieren: ob mit Humor, klarer Ansage oder juristisch. Wichtig ist nur: Die Schuld liegt nie bei der Empfängerin, sondern immer beim Sender.
Und jetzt? Politik, wir haben ein Problem!
Andere Länder wie England, Wales oder eben Österreich haben „Cyberflashing“ längst klar unter Strafe gestellt. Deutschland hingegen diskutiert noch über juristische Definitionen, während täglich neue Dickpics verschickt werden.
Das Signal ist fatal: Solange die Rechtslage so schwammig bleibt, fühlen sich Täter sicher. Und Betroffene? Werden weiter vertröstet.
Zeit für klare Kante
Es braucht ein klares Gesetz, das ungefragte Dickpics als das bezeichnet, was sie sind: digitale sexuelle Belästigung. Punkt. Keine Grauzonen, keine Diskussion, ob das jetzt Pornografie, Exhibitionismus oder Beleidigung ist. Bis es soweit ist, gilt: Betroffene haben jedes Recht, sich zu wehren. Anzeigen, melden, nicht schweigen. Denn Schweigen schützt nur die Falschen. Dickpics sind keine Bagatelle, kein Flirtversuch, kein Missverständnis. Sie sind digitale Gewalt. Und Deutschland muss endlich aufhören, so zu tun, als wäre das alles nur ein bisschen Internetkultur.
Text von Rebecca Stringa




