FRAUEN100 I Die nächste Generation
24. März 2026

FRAUEN100 I Die nächste Generation
Zwischen parteiinternen Krisensitzungen und der Ausarbeitung neuer Gesetze nahm sich Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil am Montagabend Zeit für einen intensiven Austausch mit rund 40 Frauen aus dem FRAUEN100-Netzwerk. Im Mittelpunkt standen die Themen finanzielle Bildung und die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen. Das Besondere an der Veranstaltung: Neben bekannten Persönlichkeiten aus Journalismus und Wirtschaft standen auch vier junge Frauen im Fokus, die auf der Bühne gemeinsam mit Moderatorin Janin Ullmann offen über ihre persönlichen Erfahrungen im Umgang mit Geld sprachen – Leonie (21), Vera (23), Lotta (19) und Anastasia (18).
Doch bevor der Austausch über finanzielle Bildung und die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen begann, bezog Lars Klingbeil Stellung zur aktuellen Berichterstattung über Collien Fernandes und ihren Ex-Mann Christian Ulmen im Zusammenhang mit einer mutmaßlichen „virtuellen Vergewaltigung“ . Er betonte, dass die Politik in der Verantwortung stehe, bestehende Lücken im Strafrecht zu schließen – insbesondere durch ein wirksames Gesetz zum Schutz vor digitaler Gewalt.
Ein durchschnittlich um 16 Prozent geringerer Stundenlohn, die sogenannte Teilzeitfalle mit ihren langfristigen Folgen sowie ein Ehegattensplitting, das vor allem Frauen im Steuersystem Anreize setzt, weniger zu arbeiten – das sind nur drei der zentralen Themen, über die an diesem Abend gesprochen wurde. Und über allem stand das Thema: Finanzielle Bildung. Denn diese kommt an den meisten Schulen nach wie vor viel zu kurz. Das wollen Klingbeil und seine Regierungsmitglieder unbedingt ändern. „Früher war auch ich Team Sparbuch – heute kann man jedem nur gratulieren, der sagt: Finanzielle Bildung ist ein Thema für mich“ , so Klingbeil. „Wir wollen erreichen, dass sich alle jungen Menschen damit auseinandersetzen. Dafür müssen wir finanzielle Bildung stärken und eine größere Sensibilität für den Umgang mit Kapitalmärkten entwickeln.“ Ein möglicher Ansatz ist die sogenannte Frühstartrente: Kinder sollen bis zu ihrem 18. Lebensjahr monatlich 10 Euro erhalten, um erste Erfahrungen am Kapitalmarkt zu sammeln.
Sowohl Finanzexpertinnen aus dem Publikum als auch die jungen Frauen aus dem Panel äußerten jedoch direkte Kritik. Die Maßnahme sei lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein. Es reiche nicht aus, finanzielle Bildung in erster Linie in den privaten Bereich der Familien zu verlagern – vielmehr brauche es strukturelle Lösungen und eine stärkere Verankerung im Bildungssystem.
Auch Moderatorin Janin Ullmann hakte nach und wünschte sich konkretere Lösungsansätze vom Finanzminister. Als Autorin des Buches „Female Finance - Dein Geld. Dein Leben. Deine Regeln.“ brachte sie ein anschauliches Beispiel mit, um die finanzielle Lücke zu verdeutlichen, die viele Frauen erleben, wenn sie sich überwiegend um Kinder und Haushalt kümmern.
Sie erzählte von einem Fall aus Spanien, bei dem ein Mann seiner Ex-Frau rund 200.000 Euro zahlen musste, weil er während der Ehe ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut hatte, während sie sich 25 Jahre lang um Familie und Haushalt gekümmert hatte. Das sorgte auch beim Finanzminister für hörbares Staunen.
Im Gespräch ging es dann auch um den Blick über die Landesgrenzen: In Luxemburg und in den skandinavischen Ländern sind Frauen finanziell oft deutlich besser aufgestellt. Warum genau, konnte Lars Klingbeil zunächst nicht klar benennen. Ulli Zimmermann, die unter anderem Dialogprojekte für Die Zeit organisiert, brachte eine naheliegende Erklärung ins Spiel: Eine gut ausgebaute Kinderbetreuung macht es Frauen dort einfacher, beruflich am Ball zu bleiben – und sorgt so langfristig für mehr finanzielle Unabhängigkeit.
„Das war ein unerwartet authentisches Gespräch“ , resümierten Anastasia und Lotta im Anschluss. Auch unsere Gäste aus Journalismus und Wirtschaft zeigten sich zufrieden: „Solche Abende, an denen wir mit Politiker:innen in den direkten Austausch gehen und uns dabei wirklich gehört fühlen, sollte es viel öfter geben“ , fasste Dr. Sarah Bechstein zusammen.
Die Diskussionen darüber, wie insbesondere Frauen besseren Zugang zu finanzieller Bildung erhalten und insgesamt wirtschaftlich stärker aufgestellt werden können, gingen noch fast zwei Stunden weiter. Beim lockeren Austausch und in einer offenen Atmosphäre entstanden zahlreiche weitere Ideen – sowohl für politische Maßnahmen als auch für zukünftige Kooperationen. Ein besonderer Erfolg des Abends: Unsere vier Schülerinnen, die stellvertretend für die nächste Generation ihre Perspektiven eingebracht hatten, wurden vom Finanzminister eingeladen, ihre Impulse auch im Ministerium vorzustellen, damit ihre Stimmen und der wichtige Input dort gehört wird.


















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