FRAUEN30 - DINNER

FRAUEN100 steht als Netzwerk seit über einem Jahr für starke, erfolgreiche Thoughtleader*innen, die gemeinsam gesellschaftlichen Wandel bewirken: „Connecting to inspire Change“



Am 3. November kamen im „Grill Royal“ zum FRAUEN30 Dinner ein exklusiver Kreis des Netzwerks zusammen, um genau das am Ende des Jahres noch einmal zu tun.

Wie immer trafen Frauen aus unterschiedlichsten Professionen aufeinander, mit dabei unter anderen Moderatorin Katrin Bauerfeind, die Schauspielerinnen Jasna Fritzi Bauer, Janina Uhse und Ursula Karven, Regisseurin Anika Decker und Influencerin Louisa Dellert.


Durch den Abend, der unter dem Motto „Selbst ohne Zweifel“ des Hauptsponsors Taft stand, führte die Journalistin Christina Lewinsky. Die Speakerinnen Anna Adamyan, Model und Influencerin und Chryssanthi Kavazi, Schauspielerin, teilten mit den Gästen ihre persönlichen Erlebnisse, wie der unerfüllte Kinderwunsch und Hass im Netz, oder die Herausforderungen von Kindern und einer Karriere als Schauspielerin. Die Psychologin und Therapeutin Stefanie Stahl ordnete die teilweise kontroversen Themen aus ihrer Perspektive ein. Zweifel und Ängste seien erstmal auch sehr hilfreiche Gefühle, die unter Umständen überlebenswichtig seien: „Das Neandertaler Gehirn war schon auf Fehler fokussiert“, eben um eventuell lebensbedrohliche Fehler zu vermeiden, erklärt Stahl. Das Gehirn berechne permanent Chancen und Gefahren und versuche so Kontrolle herzustellen, indem es besonders potenzielle Fehler im Auge behalte – Stärken wiederum würden unter „das läuft“ abgehakt.


Im Kern sinnvolle Zweifel und Ängste führen allerdings immer wieder besonders bei Frauen zu Hemmungen und können blockieren. Bei der Bewältigung von Familie und Karriere zum Beispiel, führen die Zweifel und Ängste gerade bei Frauen zu Selbstzweifeln und Problemen mit dem Selbstwertgefühl. GZSZ-Schauspielerin Chryssanthi Kavazi berichtete von den Selbstzweifeln, die sie besonders seit der Geburt ihres Sohnes nicht mehr loslassen: „Dieser Spagat zwischen Kind, Beruf, Partner und Selfcare funktioniert in der Realität einfach nicht. Irgendetwas bleibt immer auf der Strecke und grade, wenn es um das eigene Kind geht, ist man natürlich immer besonders kritisch mit sich“, erzählt sie. Der gesellschaftliche Druck sei allerdings für Väter und Mütter nicht der gleiche. Ein arbeitender Vater müsse sich kaum mit dem Vorwurf ein schlechter Vater zu sein, konfrontiert sehen. Ihr hingegen würde dieser Vorwurf immer wieder entgegengebracht, wenn sie ihre Karriere als Mutter verfolge. Diese Ansprüche würden an ihren Mann so überhaupt nicht gestellt, er bekomme im Alltag vor allem Anerkennung und Bestärkung in ganz banalen Vater-Kind Situationen: „Ständig vermittelt zu bekommen, nicht zu genügen oder etwas falsch zu machen, löst natürlich Selbstzweifel aus“, eine Situation, mit der sich viele Frauen im Raum identifizieren konnten.

Wichtig sei das Selbstwertgefühl nicht im Außen zu stabilisieren, erklärt Stahl: „Es ist ganz wichtig zu lernen, auch mal abgelehnt zu werden“, um nicht in der Vermeidung unguter Gefühle und antizipierter Beschämung, Entscheidungen zu treffen, die für einen selbst falsch sind und insofern ein von der Außenwahrnehmung fremdgesteuertes Leben zu führen, erläuterte die Therapeutin.


Sich von äußeren Ansprüchen freizumachen, ist allerdings mitunter besonders im Kontext von Social Media nicht einfach. Einer Welt, in der Viele private Einblicke teilen – und sich dann für vieles rechtfertigen müssen, angegriffen oder sogar beleidigt werden.

Diese Erfahrung macht auch die Influencerin Anna Adamyan. Sie habe inzwischen zwar einen Weg gefunden, mit diesem Hass umzugehen, das sei aber nicht immer leicht. Besonders schmerzhaft seien diese Attacken in Bezug auf ihren unerfüllten Kinderwunsch. Ein Thema das Adamyan seit mehreren Jahren öffentlich teilt, auch um auf Missstände in diesem Bereich aufmerksam zu machen. Sie sei froh diesen Weg eingeschlagen zu haben, sei aber auch überrascht, wie teilweise gerade selbst betroffene Menschen extrem aggressiv und wertend auf sie reagierten: „Das war teilweise einfach nur eklig und schrecklich, was mir da geschrieben wurde“, berichtet sie. Auf die Frage, ob sie bestimmte Rituale habe, um diesen Cyber-Hass zu verarbeiten, antwortet sie: „Blockieren, anzeigen und löschen!“.


Für sich selbst einzustehen und sich abzugrenzen sei ganz wichtig, ihrem Eindruck nach spielt Neid unter anderem eine große Rolle. Aber auch die traditionelle Vorstellung, Frauen seien dafür da Kinder zu bekommen, laste sehr auf Frauen, besonders, wenn das nicht so einfach funktioniere – dabei betrifft diese Situation viele Paare – und eben nicht nur Frauen.


Beim anschließenden Dinner wurden die Themen der Speakerinnen noch intensiv weiter diskutiert, Erlebnisse und Kontakte ausgetauscht.


von Maike Backhaus