Kinder finanziell stärken
- 13. Apr.
- 4 Min. Lesezeit

Über Geld spricht man nicht? Dieses Mindset sollten wir unseren Kindern - und vor allem unseren Töchtern - gar nicht erst vorleben. Denn es ist nicht nur wichtig, dass sie lernen, wie man liest und schreibt, sich vernünftig ernährt und in der Gesellschaft gut miteinander umgeht: Genauso relevant ist ein gesunder Umgang mit Geld. Wie wir diesen als Eltern vorleben und vermitteln? Das schauen wir uns jetzt an.
Denn klar ist: Je früher wir damit beginnen, unsere Kinder finanziell zu stärken, desto besser. Das gilt vor allem für Mädchen - denn noch immer ist finanzielle Unabhängigkeit für Frauen eine größere Herausforderung als für Männer. Wenn sich also schon Mädchen sicher und selbstbewusst im Umgang mit Geld bewegen, schafft das die beste Basis, um starke Frauen aus ihnen zu machen, die selbst für ihre finanzielle Sicherheit sorgen.
Tipp 1: Mit klarer Haltung vorangehen
Kinder schauen sich so viel von ihren Eltern ab. Wenn wir selbst immer nur jammern, dass zu wenig Geld da ist, gar nicht über das Thema sprechen oder Kommentare fallen lassen, dass wir von ETFs und Investieren keine Ahnung haben - dann färbt das ab. Es prägt den Eindruck, den Kinder von Geld haben: Sie nehmen es als ein negatives oder kompliziertes Thema wahr.
Deshalb ist der erste Schritt: Die eigenen Finanzen ordnen, für finanzielle Sicherheit sorgen und Klarheit über den eigenen Umgang mit Geld schaffen. Dabei können folgende Fragen helfen: Bin ich sparsam oder gebe ich viel Geld aus? Rede ich offen über Geld? Habe ich einen Überblick über laufende Kosten? Investiere ich, z.B. in ETFs oder andere Anlageformen? Fühle ich mich sicher, meinen Kindern zu zeigen, wie sie gut mit Geld umgehen? Sind diese Fragen geklärt, ist das eine gute Ausgangslage.
Im Alltag hilft es, immer wieder über Geld zu sprechen. Und zwar nicht in einer negativ behafteten Art („Das ist viel zu teuer für uns", „Wer soll das bezahlen können?", „Schon wieder eine Rechnung..."), sondern so, dass Geld selbstverständlich zum Leben gehört.
Geld kommt rein, Geld geben wir aus - diese einfache Gleichung müssen Kinder erst einmal verstehen.
Was das für sie heute schwieriger macht: Wir zahlen oft per Karte, per Handy oder direkt bei der Online-Bestellung. Der klassische Umgang mit Bargeld („Ich zahle fünf Euro für ein Eis und bekomme drei zurück") geht dabei verloren, Zahlungen werden deutlich abstrakter. Kinder müssen trotzdem verstehen, dass auch das unsichtbare Geld auf dem Konto aufgebraucht sein kann und dass es nicht möglich ist, unbegrenzt mit dem Handy zu zahlen oder am Automaten immer neue Scheine zu bekommen.
Tipp 2: Zeigen, was mit Geld möglich ist (und was nicht)
Unterschiedliche Dinge sind unterschiedlich viel Geld wert. Das wissen Kinder nicht intuitiv, das müssen sie lernen. Ein spielerischer Klassiker, um das zu vermitteln: Kaufladen spielen. Dafür muss gar kein Laden im Kinderzimmer stehen, Kinder können sich auch einen eigenen Stand aufbauen: Dort bieten sie Spielsachen oder andere Produkte an, Eltern kommen zum „Einkaufen" und zahlen dabei mit Spielgeld (wenn keins vorhanden ist, ist es schnell gebastelt). Als Verkäufer*innen überlegen sich die Kinder Preise und sehen: Wenn sie etwas verkaufen, bekommen sie dafür Geld. Und wenn das Budget von Mama oder Papa aufgebraucht ist, können sie nichts mehr kaufen - so gern sie auch würden.
Auch im Alltag kann man Kinder früh in die finanzielle Planung einbinden: Wir haben zehn Euro - wollen wir davon gemeinsam ein Eis essen oder lieber Bastelsachen kaufen? Entscheiden sie sich für Option 2, erfahren sie beim Einkauf, dass es vielleicht möglich ist, mehrere bunte Pappen zu kaufen - aber nicht noch die Glitzeraufkleber dazu. Es sei denn, sie nehmen weniger Pappe und stattdessen die Aufkleber. Das verstehen schon Kinder ab etwa vier Jahren und es macht ihnen klar: Geld ermöglicht viele schöne Anschaffungen und Erlebnisse. Aber nicht unendlich viele.
Tipp 3: Taschengeld auszahlen - und sinnvoll einsetzen
Eigenes Geld besitzen und selbstbestimmt ausgeben: Was für eine tolle Erfahrung für Kinder. Schon im Kindergartenalter ist es deshalb sinnvoll, Taschengeld zu geben.
Wichtig dabei: eine angemessene Summe festlegen (offizielle Empfehlungen gibt es hier) und einen passenden Auszahlungsrhythmus festlegen. Vor allem für kleinere Kinder macht es Sinn, auf eine wöchentliche Zahlung zu setzen, damit die Zeiträume nicht zu groß sind.
Das Taschengeld kommt in eine Spardose - oder gleich in mehrere. Um Kindern zu zeigen, was mit Geld möglich ist, kann man verschiedene Spardosen basteln oder entsprechende Sets kaufen: Beliebt ist die Einteilung in „Ausgeben, Sparen, Spenden".
Das Kind kann entscheiden, welche Summe in das „Ausgeben"-Fach kommt, von dem man spontan Süßigkeiten oder einen coolen Stift kaufen kann. Das Geld im „Sparen"-Fach ist für einen bestimmten Zweck gedacht, zum Beispiel für das tolle Lego-Set, das nicht bis Weihnachten warten soll. Und vielleicht haben Kinder auch Lust, etwas von ihrem Geld zu spenden. Gemeinsam könnt ihr überlegen, an wen das gehen soll (gerne etwas Greifbares wie: der Tierpark in der Nähe, der Sportverein, der auch sozial schwache Kinder unterstützt). Das zeigt: Mit unserem eigenen Geld können wir auch andere unterstützen.
Sobald die Kinder etwas älter sind (mindestens im Schulalter), kann das „Sparen"-Fach natürlich ausgelagert werden - auf ein Konto und so, dass es Zinsen bringt. Damit gehen die Kids die ersten Schritte Richtung Investieren. Und sie lernen: Geld kann sich vermehren. Aber nicht, wenn man es unangetastet herumliegen lässt. Und noch ein Extra-Tipp zum Schluss: Richtig viel Spaß macht es Kindern, wenn sie ihr eigenes Geld verdienen, für das sie sofort neue Lieblingsdinge anschaffen können. Das ist auf Kinder-Flohmärkten möglich, bei denen aussortiertes Spielzeug zu Geld wird, das direkt in neue Schätze reinvestiert (oder zu Hause in die passende Spardose geworfen) wird. Das zeigt: Es lohnt sich, selbst Geld zu verdienen, um so ganz unabhängig eigene Entscheidungen treffen zu können - für das, was einem selbst wichtig ist.
Vor allem für Mädchen ist das eine Erfahrung, die sie fürs Leben stärkt und später zu
Frauen macht, die auch finanziell ihre eigenen Wege gehen.
Text von Julia Felicitas Allmann





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