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FRAUEN100 x MSC – DINNER



Am vergangenen Freitag kamen zum dritten Mal rund 100 Entscheidungsträgerinnen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien im „The Charles Hotel“ München für das FRAUEN100 x MSC Dinner in Kooperation mit dem Center for Feminist Foreign Policy zusammen. Diesmal, um gemeinsam mehr über den Zusammenhang von Antifeminismus und antidemokratischen Bewegungen zu erfahren, sich auszutauschen und Aufmerksamkeit zu generieren.

 

Eingeleitet wurde der Abend von Kristina Lunz, Gründerin des CFFP und der Menschenrechtsaktivistin Düzen Tekkal. Beide appellierten vor allem an die Solidarität unter Frauen und dass Frauen es sich nicht leisten können, hart erkämpfte Räume wieder aufzugeben. Um erfolgreich zu sein, dürfen Frauen sich nicht gegenseitig bremsen und denunzieren, sondern müssen sich schwesterlich begegnen und verbünden.

 

Dass Frauen gemeinsam für ihre Werte einstehen und sich aktiv für Inklusion, Gleichberechtigung und Demokratie einsetzen müssen, dazu rief auch die erste Rednerin des Abends, Kaja Kallas, Premierministerin von Estland, auf.  Obwohl sie an diesem Abend der Sicherheitskonferenz sehr gefragt war, hat sie sich entschieden, den Abend in diesem Kreis von Frauen zu verbringen, weil sie davon überzeugt ist, „dass es extrem wichtig ist, dass es diese Netzwerke von Frauen gibt. Männer haben diese Netzwerke schon und die sind sehr einflussreich. Damit Frauen auch gehört werden, müssen wir auch solche Netzwerke haben“.


Sie berichtete von ihren Erfahrungen als Premierministerin, von den vielen aufdringlichen Fragen und Ratschlägen, die sie aufgrund ihres Geschlechts erhalte, und von der Doppelmoral in Bezug auf Familie, mit der berufstätige und engagierte Frauen konfrontiert seien. Es sei aber auch ein Privileg, „nur“ solche Probleme zu haben, denn die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern habe seit dem Ausbruch der HIV-Pandemie weltweit wieder stark zugenommen. So ist heute jeder dritte Mann davon überzeugt, dass Feminismus keine positive Entwicklung sei. Mit dem Erstarken von antidemokratischen Bewegungen und Machthabern hinter der Fassade demokratischen Vokabulars drohen die bisherigen Errungenschaften der Gleichberechtigung verloren zu gehen. Um diesem Trend entgegenzuwirken, rief sie zum Handeln auf, denn „Gleichheit und Inklusion passieren nicht aus Versehen. Das gleiche gilt für die Demokratie“.

Dass Frauen den Zusammenhang zwischen autokratischen Entwicklungen und Frauenfeindlichkeit bereits spüren, griff die zweite Rednerin, Maria Ressa, auf. Sie selbst, Friedensnobelpreisträgerin und Journalistin auf den Philippinen, erhalte durchschnittlich 90 Hassbotschaften pro Stunde. Und sie ist mit dieser Belästigung keineswegs allein. 79 Prozent der Journalistinnen erleben Gewalt im Netz, 29 Prozent davon sogar körperliche Gewalt. Für Ressa ein Symptom von Gendered Disinformation. Begünstigt durch die sozialen Medien, in denen sich Falschinformationen sechsmal schneller verbreiten als offline, komme es vermehrt zu Tribalismus und Radikalisierung. Um dies zu verhindern, motivierte sie dazu, dieses Wissen zu nutzen, es zu teilen und sich gegen Falschinformationen zu wehren, die ein enormes Sicherheitsproblem darstellen.


Dass diese Desinformation oft nur Teil eines großen Ganzen ist und zu den ersten „harmlosen“ Schritten eines autokratischen Regimes gehört, griff die dritte Rednerin, Tirana Hassan, Executive Director von Human Rights Watch, auf. Sie warnte davor, dass antidemokratische Bewegungen oft damit beginnen, Werte wie Traditionspflege, Schutz der Familie und allgemeine Sicherheit lautstark zu kommunizieren, diese aber nur der Manipulation dienten. Und diese Manipulation gehe vor allem zu Lasten der Frauen. Diese „Waffe“ der traditionellen Werte wird heute von autokratischen Herrschern vor allem durch die Einschränkung der Pressefreiheit ergänzt. Dadurch wird es der Bevölkerung unmöglich gemacht, sich zu informieren und Aufklärung einzufordern. Die notwendigen checks and balances politischer Prozesse können nicht mehr funktionieren. Die Folge sind Menschenrechtsverletzungen, die dann von anderen Regierungen gerne ignoriert werden, um sich stattdessen auf innenpolitische Themen zu konzentrieren. Jetzt nicht die Augen zu verschließen, ist für Hassan daher unerlässlich, denn „jetzt ist der Moment, um dranzubleiben und Kante zu zeigen“.

 

„Dranbleiben und sich für Gleichberechtigung einsetzen ist wichtiger denn je“, ist sich auch die letzte Rednerin des Abends, Beatrice Fihn, sicher. Doch dieser hart erarbeitete Fortschritt hin zu mehr Gleichberechtigung und einer ganzheitlicheren, feministischen Sichtweise in der Außenpolitik kommt in Wellen. In den ruhigeren Phasen müssen wir wie eine gute Surferin trainieren, wachsam sein und dann die nächste Welle erwischen. Machen wir uns also bereit für den nächsten Ritt!



Vielen Dank an unsere Sponsoren und Unterstützer*innen des Dinners!




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