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Gut bezahlt – und trotzdem benachteiligt?

27. Januar 2026

In Deutschland zeigen aktuelle Gehaltsdaten, dass Frauen in bestimmten Berufen sehr gute Verdienste erzielen können – dennoch bleibt die Geschlechterlücke im Einkommen deutlich sichtbar. Laut dem Gehaltscheck von kununu gehören zu den bestbezahlten Berufen für Frauen beispielsweise: Ärztin, Wirtschaftsprüferin, Medical Advisor, Legal Counsel, Softwarearchitektin, Professorin, Aktuarin, Anwältin und Agile Coach. Doch dieser Erfolg relativiert sich schnell, wenn wir uns anschauen, wie hoch das durchschnittliche Einkommen insgesamt für Frauen im Vergleich zu Männern ist.


Frauen verdienen weniger – auch in Top-Jobs

Der sogenannte Gender Pay Gap, also die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen, beträgt in Deutschland aktuell etwa 16 % – Frauen verdienen im Durchschnitt deutlich weniger pro Stunde als Männer. Diese Ungleichheit erklärt sich nicht nur durch unterschiedliche Berufswahl oder Qualifikationen, sondern sie bleibt auch, wenn Frauen und Männer gleiche Aufgaben, Ausbildung und Verantwortung haben – dann beträgt die Lücke laut offiziellen Berechnungen noch rund 6 %.


Auch innerhalb Branchen bestehen eklatante Unterschiede: In Bereichen wie Finanzwirtschaft, Beratung oder Telekommunikation verdienen Frauen deutlich weniger als Männer, selbst bei vergleichbarer Tätigkeit. Selbst in gut bezahlten Branchen wie IT oder Banken sind die Einkommen von Frauen regelmäßig unter denen ihrer männlichen Kollegen – obwohl Frauen dort im Schnitt über 55 000 € pro Jahr verdienen. Das heißt: Hohe Verdienste allein lösen die strukturelle Ungerechtigkeit nicht auf – selbst wenn Frauen in der „richtigen“ Branche sind, profitieren sie nicht in gleichem Maße.


Warum bestehen diese Unterschiede?

Die Ursachen für die anhaltenden Gehaltsunterschiede sind vielfältig und tief verwoben mit gesellschaftlichen Strukturen:


1. Segmentierter Arbeitsmarkt

Frauen arbeiten häufiger in Bereichen, die traditionell schlechter bezahlt werden und weniger Führungspositionen bieten (z. B. soziale Berufe, Pflege, Büro-Dienstleistungen) – auch wenn hochqualifizierte Frauen heute häufiger technische und analytische Berufe wählen.


2. Teilzeit und Care-Arbeit

Frauen übernehmen überproportional viele familiäre und pflegerische Aufgaben, was zu Unterbrechungen in der Erwerbsbiographie und häufigerem Teilzeitarbeiten führt – Faktoren, die sich unmittelbar auf das Einkommen und Karrierechancen auswirken.


3. Unterrepräsentation in Führungsrollen

Auch in hochqualifizierten Berufen sind Frauen seltener in Spitzenpositionen vertreten, was den durchschnittlichen Verdienst drückt und die Sichtbarkeit weiblicher Vorbilder verringert.


4. Bewusstsein & Verhandlungsposition

Studien zeigen, dass Frauen bei Gehaltsverhandlungen oft niedriger ansetzen oder weniger Gehalt fordern. Das ist nicht nur individuelles Verhalten, sondern auch Ergebnis eines Umfelds, in dem Transparenz über Löhne fehlt und Machtstrukturen Gehaltsverhandlungen erschweren.


Erste Ansatzpunkte, um die Lohnlücke zu überwinden

Ein Blick auf den Arbeitsmarkt muss sowohl strukturelle als auch individuelle Ebenen adressieren. Hier sind erste Handlungsfelder:


1. Gehaltstransparenz stärken

Gesetze wie das Entgelttransparenzgesetz fördern Offenlegung von Lohnstrukturen. Arbeitgeber sollten zur aktiven Offenlegung und fairen Lohnbewertung verpflichtet werden, damit Frauen wissen, was ihnen zusteht.


2. Frühzeitige Karriereberatung

Bildungseinrichtungen und Unternehmen müssen Mädchen und junge Frauen ermutigen, sich für technische, mathematische und wirtschaftliche Studiengänge und Berufe zu entscheiden. Mentoring-Programme und sichtbare Vorbilder sind hier entscheidend.


3. Förderung von Teilzeitkarrieren

Flexiblere Karrierewege und Modelle für Jobsharing oder Teilzeit in Führungsrollen könnten verhindern, dass Familienarbeit Karrierechancen blockiert.


4. Unternehmensverantwortung

Unternehmen müssen aktiv Diversity-Strategien umsetzen und Frauen in Führungspositionen gezielt fördern – u. a. durch Programme zur Führungskräfteentwicklung, Transparenz in Beförderungskriterien und objektive Leistungsmessungen.


5. Gesellschaftlicher Wandel

Die Entkopplung von „typisch weiblicher“ oder „typisch männlicher“ Berufswahl beginnt im Elternhaus, in Schulen und Medien. Stereotype, die Frauen von gut bezahlten Berufen fernhalten, müssen sichtbar gemacht und abgebaut werden.


Frauen können heute in vielen hochbezahlten Berufen exzellente Verdienste erzielen – das zeigt, dass strukturelle Hürden überwindbar sind.


Doch solange Frauen im Durchschnitt weniger verdienen als Männer – selbst bei vergleichbarer Qualifikation – bleibt die Forderung nach echter Gleichstellung aktuell und notwendig. Der Gender Pay Gap ist kein Relikt der Vergangenheit, sondern eine real bestehende Ungleichheit, die uns alle betrifft. Gleichstellung bedeutet nicht nur Zugang zu gut bezahlten Jobs, sondern auch faire Bezahlung, transparente Karrierewege und gleiche Chancen für alle Geschlechter – ein Ziel, das wir nur gemeinsam erreichen können.


Quellen:

Gut bezahlte Frauenberufe https://news.kununu.com/gut-bezahlte-frauenberufe/

Bestbezahlende Branchen für Frauen und Männer https://news.kununu.com/bestbezahlende-branchen-fuer-frauen-und-maenner/

Warum verdienen Frauen immer noch weniger Geld als Männer? https://news.kununu.com/warum-verdienen-frauen-immer-noch-weniger-geld-als-maenner/

Gender Pay Gap – kununu Kampagne & Erklärungen https://campaigns.kununu.com/gender-pay-gap/

Statistisches Bundesamt (Destatis): Gender Pay Gap https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Verdienste/Verdienste-GenderPayGap/_inhalt.html

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ): Lohngerechtigkeit https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/gleichstellung/frauen-und-arbeitswelt/lohngerechtigkeit

Entgelttransparenzgesetz (Überblick) https://de.wikipedia.org/wiki/Entgelttransparenzgesetz

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