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Warum Demokratie nach mehr Frauen verlangt

13. August 2025

Frauen in Machtpositionen sind kein „Nice-to-have“, sondern ein demokratisches Muss. Bärbel Bas, Bundesministerin für Arbeit und Soziales, bringt im ARD-Sommerinterview auf den Punkt, warum der Umgang mit Frauen in Deutschland nicht nur ungerecht – sondern gefährlich für unsere Demokratie ist. 


Bärbel Bas ist nicht dafür bekannt, die Dinge in Watte zu packen. Und so saß die SPD-Vorsitzende im ARD-Sommerinterview, sah Matthias Deiß an – und sprach Klartext: „Als Frau sage ich auch ganz offen, wie mit Frauen hier in diesem Land zum Teil umgegangen wird, wie sie angegriffen werden, von außen, von Netzwerken und hier an der Stelle von rechten Netzwerken, das ist ein massives Demokratieproblem“, sagte Bas.


Der konkrete Anlass: die geplatzte Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf zur Verfassungsrichterin. Eine hochqualifizierte Juristin mit tadellosem Lebenslauf, vom Bundestag schon fast gewählt – bis plötzlich der Widerstand der Unionsfraktion zu groß wurde. Hinter den Kulissen machten rechte Netzwerke Stimmung, öffentlich wurde Brosius-Gersdorf diffamiert. AfD-Politikerin Beatrix Storch bezeichnete sie auf X sogar als „linksradikale Aktivistin“. Das Ergebnis: Kandidatin weg, Stelle unbesetzt, Demokratie beschädigt. Und das ist leider kein Einzelfall, sondern ein Muster. Frauen in Spitzenämtern werden immer wieder öffentlich zur Zielscheibe – nicht wegen mangelnder Kompetenz, sondern wegen ihres Geschlechts und ihrer Haltung.


Zu wenige Frauen an den entscheidenden Tischen


Bas sitzt im Koalitionsausschuss mit zehn Männern – und keiner weiteren Frau. „Ich würde mir natürlich wünschen, dass ich noch andere Kolleginnen dabei hätte“, sagte sie. In ihrer Rede zum SPD-Vorsitz formulierte sie es so: „Es darf nicht sein, dass wir Frauen einen Bogen um Verantwortung machen. Es geht um Sichtbarkeit, um Respekt und ja, es geht auch um Macht.“ Fakt ist: Der Frauenanteil im Deutschen Bundestag liegt aktuell bei rund 35 Prozent – und damit niedriger als vor 20 Jahren. In Landesparlamenten sieht es teils noch düsterer aus. Und in der Wirtschaft? Nur 11,9 Prozent der Vorstandsposten in den 200 umsatzstärksten Unternehmen sind mit Frauen besetzt. 

Heißt: Ohne Frauen in Machtpositionen bleibt Demokratie eine halbe Sache. Und halbe Sachen können wir uns nicht leisten – weder für die Politik noch für die Gesellschaft. Was sich ändern muss: verbindliche Quoten, gezielte Förderung, echte Parität.


Demokratie braucht Schutz vor frauenfeindlichen Netzwerken


„Ich habe wenig Lust, neue Kandidatinnen vorzuschlagen, die am Ende genauso wieder durchs Land getrieben werden“, sagte Bas im Interview. Wenn rechte Netzwerke durch Diffamierungspolitik das Bundesverfassungsgericht indirekt mitbesetzen können, ist das nicht nur frauenfeindlich – es ist demokratiegefährdend. Die Strategie dahinter ist simpel: Persönliche Angriffe, gezielte Desinformation, emotionale Mobilisierung über Social Media. Ziel: Frauen aus dem Spiel nehmen, bevor sie überhaupt anfangen. Für viele potenzielle Kandidatinnen wirkt das abschreckend – verständlicherweise.


Was sich ändern muss: Null-Toleranz-Politik gegen Sexismus, Schutzmechanismen für Kandidatinnen, klare Paritätsgesetze und ein gesellschaftliches Stoppschild gegen Hetze. Hier ist die Zivilgesellschaft genauso gefragt wie die Politik – denn Demokratie verteidigt sich nicht von allein.


Die Rentenlücke ist kein Naturgesetz


Bas weiß, wovon sie spricht: „Ein Mann bekommt im Schnitt 1.405 Euro, eine Frau 955 Euro Rente.“ Altersarmut trifft Frauen besonders häufig, weil sie mehr unbezahlte Sorgearbeit leisten, häufiger in Teilzeit arbeiten und in schlechter bezahlten Branchen beschäftigt sind. Diese Gender-Pension-Gap ist politisch gemacht – und kann politisch geschlossen werden. Modelle in anderen Ländern zeigen: Wer Care-Arbeit besser anrechnet, Lohntransparenz durchsetzt und Mindeststandards für Teilzeitlöhne schafft, kann Altersarmut von Frauen massiv senken.


Was sich ändern muss: Lohngerechtigkeit, faire Rentenmodelle, bessere Anerkennung von Sorgearbeit – und vor allem: kein weiteres Absenken des Rentenniveaus.


Demokratie ohne Frauen ist halbe Demokratie


Bärbel Bas spricht aus, was viele denken: „Es braucht diese Vorbilder einfach auch für die jungen Frauen in diesem Land, die sagen, ja, auch Frauen können diese Ämter wuppen.“ Ohne Frauen in Führungsrollen verliert unsere Demokratie nicht nur Stimmen, sondern auch Legitimität. Und ja, Parität wird unbequem für manche Machtzirkel. Aber Demokratie ist kein Herrenclub. Wer sie erhalten will, muss sie für alle öffnen – und zwar jetzt, nicht erst, wenn wieder eine Kandidatin öffentlich zerrieben wurde.


Fazit: Darum braucht Demokratie mehr Frauen


Frauen sind keine Quotenpunkte, sondern Grundpfeiler einer funktionierenden Demokratie. Mehr Frauen in Machtpositionen sind kein feministischer Bonus, sondern eine Überlebensfrage für unser politisches System. Wer das immer noch für „Identitätspolitik“ hält, hat nicht verstanden, wie Demokratie funktioniert.


Text von Rebecca Stringa

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