Astronautin Rabea Rogge: „Mädchen dürfen sich nicht entmutigen lassen“
13. März 2026

Rabea Rogge flog als erste deutsche Astronautin in den Weltraum. Im Frauen100-Interview verrät sie, warum wir mehr mutige Frauen im All brauchen und wie sie mit Kritik aufgrund ihres Geschlechts umgeht.
Sollten Mädchen davon träumen, ins All zu fliegen? Unbedingt! Doch schaut man sich die deutsche Raumfahrt-Historie an, gab es da lange Zeit wenig, was Mut machte: Zwischen 1978 und 2025 flogen zwölf Astronauten in den Weltraum – alles Männer. Hier von einem „male dominated field“ zu sprechen, wäre also drastisch untertrieben. Doch jetzt gibt es ein Role Model, das künftige Generationen von Astronautinnen inspirieren kann: Rabea Rogge flog mit 29 Jahren als erste deutsche Frau ins All.
Der lange Weg zur ersten deutschen Astronautin
„Bis jetzt waren weltweit circa 13% aller Astronaut*innen Frauen“, sagt Rabea Rogge im Interview mit Frauen100. „Das heißt, viele Experimente, die zu medizinischen Themen, wie dem Knochenschwund, Muskelabbau und ähnlichem gemacht wurden, sind unterrepräsentiert für Frauen. Studien für frauenspezifische Themen, wie dem Hormonhaushalt im All sind noch in den Kinderschuhen.“
Nur einer von vielen Gründen, warum es so wichtig ist, mehr weibliche Astronautinnen ins Rennen zu schicken. Entscheidend ist auch die starke und empowernde Signalwirkung: Es sind Bilder von Frauen in Raumanzügen, die Mädchen antreiben, ihre eigenen Visionen zu verfolgen – auch und gerade dann, wenn sie richtig hoch hinaus wollen. Das sind Bilder, die dazu beitragen, die „Dream Gap“ zu verkleinern.
Wie es sich anfühlt, als Astronautin eine solche Wirkung zu entfachen? „Ermutigend“, sagt Rabea Rogge. „Allerdings ist es auch immer noch etwas unwirklich, das wird es auch wohl immer bleiben.“ Die gebürtige Berlinerin war Teil der privat organisierten Mission „Fram 2“, die vom 1. bis zum 4. April insgesamt 55-mal die Erde umkreiste. Auch wenn es sich um einen Flug handelte, den der aus China stammende Krypto-Milliardär Chun Wang privat finanzierte und dafür eine Raumkapsel von Elon Musks SpaceX charterte: Der Trip war kein Weltraumtourismus, sondern eine wissenschaftlich relevante Mission. Das vierköpfige Team führte in der Raumkapsel 22 Experimente durch, unter anderem im Auftrag der Berliner Charité.
Weltraum für alle: Rogges Vision von Teilhabe
Rabea geht es um die Forschung und um Ergebnisse, die direkt auf der Erde anwendbar sind – gleichzeitig ist ihr Teilhabe wichtig. Sie setzt sich dafür ein, dass künftig mehr Menschen ins All reisen können. Frauen selbstverständlich genauso wie Männer. „Diese Frage nach Teilhabe war auch einer der Gründe für den Titel meines neuen Buches: Ein (bisschen) Weltraum für Alle. Darin geht es genau darum: Wem gehört Zukunft und wie machen wir sie allen zugänglich?“
Sie selbst bekam die Chance auf ihre erste Reise ins All, weil sie Chun Wang auf einer Expedition auf der Arktis-Insel Spitzbergen kennengelernt hatte. Dort war sie im Rahmen ihrer Forschung unterwegs: Als Doktorandin an der Technischen Universität Norwegen in Trondheim arbeitet sie an autonomen Robotern in der Arktis. Auch hier setzt sie sich in einer typischen Männerdomäne durch, gegen alle Kritik: „Mir ist im technischen Umfeld aufgefallen, dass man als Frau immer öfter angezweifelt wird – auch wenn man Expertin auf dem Feld ist“, sagt sie.
„Dieser unterschwellige Vertrauensverlust ist nicht sehr offensichtlich, aber dadurch umso schädlicher.“ Während sie sich früher von Kritik verunsichern ließ, die nur aufgrund ihres Geschlechts verübt wird, geht sie heute selbstbewusster damit um: „Der erste Schritt für mich war, solche Momente zu erkennen“, sagt sie. „Heute sage ich direkt etwas und frage: Worauf basiert dein Feedback gerade? Das Wichtigste ist, dass man es bemerkt.“
Vorbilder für Mut und Pioniergeist
Wer so mutig vorangeht, lässt sich oft von inspirierenden Vorbildern leiten – die hat auch Rabea Rogge: „Vor allem die starken Frauen in meinem Umfeld, die sie selbst sind, ohne sich klein kriegen zu lassen“, sagt sie. „Außerdem historische Figuren wie die Flugpionierin Amelia Earhart, die sich ebenso nicht haben einschüchtern lassen, und fiktionale Charaktere wie Ellen Ripley in Alien, die auch für Furchtlosigkeit steht.“
Starke Frauen, die als Pionierinnen vorangehen, sind in Rabeas Augen wichtig, um die nächste Generation von Mädchen zu empowern: „Für mich macht es einen Unterschied, ob man denkt: Ich kann Pilotin werden, auch wenn alle Piloten Männer sind oder ob man sagt: Ich kann Pilotin werden! Das ist nicht unnormal.“
Rabea selbst hat es geschafft, mit 29 Jahren zu der Astronautin zu werden, die genau dieses Vorbild ist. Und sie will Mädchen bestärken, ihren eigenen Weg zu gehen, auch in männerdominierten Umfeldern: „Ich ermutige alle Mädchen, groß zu träumen und anderen Leuten davon zu erzählen. So findet man die Menschen, die einen unterstützen“, sagt sie.
„Wichtig ist es auch, sich nicht entmutigen zu lassen, wenn entweder die Träume oder die Fragen, die man stellt, schlecht ankommen. Denn es braucht mehr Mut, zu seinen Träumen und Visionen zu stehen, als zynisch zu sein.“
Text von Julia Felicitas Allmann




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